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Der regionalen Windkraft droht das Aus! Die willkürliche Abstandsregelung (800 m) verhindert viele Windkrafträder

Das Aktionsbündnis  für Bürgerwindkrafträder im Landkreis Traunstein lud Fraktionen der Bayernpartei und der ÖDP zu einem Strategiegespräch ein.
(Traunreut) Kreisrat Hans Schupfner (BP) und Beirat im Aktionsbündnis erläuterte eingangs den Grund des Treffens: „Derzeit werden für unsere Heimat die Weichen in die Zukunft mit erneuerbaren Energien gestellt:
1. Der Landkreis Traunstein erstellt gerade ein Energie-Leitbild. Zudem ist wieder eine Zwischenbilanz angesagt zu bisher Erreichtem und weiteren Potentialen.
2. Zurzeit wird der Regionalplan für die Region 18 auch bezüglich „erneuerbare Energien“ fortgeschrieben. Dazu hat sich kürzlich der Planungsverband der betroffenen Landkreise in Trostberg getroffen und 77 Vorranggebiete für Windkraft vorgeschlagen. Wichtigste Aussage des Planungsverbandes war aus meiner Sicht, dass die Energiewende nur auf regionaler Ebene möglich ist. Bezüglich Windkraft wurde aber das Gegenteil beschlossen.
3. Vor einigen Tagen, zum Start der Klimaverhandlungen in Doha, warnte die Weltbank zu Recht vor den verheerenden Folgen des Klimawandels. Der Bericht geht davon aus, dass sich die Erde schon bis in die 2060er Jahre um vier Grad erwärmen kann, wenn nicht ernsthafter gehandelt wird“.
„Daher müssen wir uns ganz einfach einmischen“, so Hans Schupfner, und weiter: „Wir wissen, dass bei diesem Thema auch die Öffentlichkeit hinter uns steht, zumal gerade mit unmäßigen Strompreiserhöhungen und falschen Argumenten die Gier und Unbeweglichkeit der großen Energiekonzerne vor Augen geführt wird.“

Die Windkraftverhinderer haben sich durchgesetzt

Kreisrat Georg Huber (ÖDP), und Sprecher des Aktionsbündnisses zeigte sich vom Beschluss des Planungsverbandes zur Fortschreibung des Windplans enttäuscht, da viele Chancen für ein Gelingen der Energiewende vertan würden, wenn dieser Entwurf so festgeschrieben werden sollte. Er erinnerte daran, dass im Winderlass der bayerischen Staatsregierung gefordert wurde, dass bei der Fortschreibung der Regionalpläne genügend Positivflächen ausgewiesen werden müssen, um der Windenergie Raum zu schaffen. „In meinen Augen hat der Planungsverband hier genau das Gegenteil gemacht, in dem er einfach die Abstandsflächen bei Wohnbebauungen im Außenbereich von den bisher geforderten 500 m auf 800 m erhöht hat. Dadurch fallen natürlich viele mögliche Windkraft-Standorte im Landkreis weg“, äußerte sich Huber verärgert und weiter: „Letztlich haben sich bei der Versammlung die Windkraftverhinderer durchgesetzt, die in Sonntagsreden zwar betonen, wie wichtig Ihnen die Energiewende sei, aber Beschlüsse herbeiführen, die das Ganze ausbremsen“. Er hoffe jetzt noch auf viel Protest von Bürgern und Kommunen, die sich eine solche Bevormundung vom Regionalplanungsverband nicht bieten lassen, sondern die Energiewende selber in die Hand nehmen wollen und wissen, welch wichtigen Anteil hier die Windkraftnutzung übernehmen kann.

Regionale Planungsverband  schränkt  Zahl der Windräder generell ein

Kreisrat Hans Schupfner (BP), und Beirat im Aktionsbündnis: „Der Planungsausschuss und der Planungsverband unter Vorsitzendem Landrat Steinmaßl der Region 18 haben letztlich über die Verhinderung der Windenergie in der gesamten Region vorentschieden! Fast alle Windvorranggebiete in rentablen Höhenlagen sind durch die verschärften Bedingungen nicht mehr genehmigungsfähig. Das muss auf energischen Widerstand der klimaschutzbewussten Gemeinden im jetzt folgenden Anhörungsverfahren stoßen!“ „Wir brauchen dringend auch in unserem dicht besiedelten Gebiet mit vielen Arbeitsplätzen und hohem Stromverbrauch einen vernünftigen Mix aus erneuerbaren Energien. Dazu ist die Windkraft unverzichtbar. Wir können damit neue Stromtrassen vermeiden und sichern langfristig bezahlbare Strompreise für Haushalt, Gewerbe und Industrie, weil so die Stromspitzenpreise zu bestimmten Tageszeiten abgefedert werden“.

Warum soll bei uns die Abstandsregelung um 60 Prozent größer sein als die Staatsregierung vorgibt?

Dr. Rainer Schenk (Beisitzer im Aktionsbündnis und aktiv im Forum Ökologie):„Alle Kommunen im Landkreis müssen ihren Beitrag zum weiteren und zügigen Ausbau sämtlicher erneuerbarer Energien leisten. ganz besonders bei der Nutzung des heimischen Windkraftpotentials besteht enormer Nachholbedarf. Hier müssen endlich alle ihre Hausaufgaben machen, sich nicht immer neue Verhinderungstaktiken einfallen lassen und nicht länger den Ausbau der kostengünstigen und Flächen sparenden Windenergie vor Ort bremsen. Die deutliche Mehrheit der Bürger befürwortet die Windkraftnutzung, und es ist in keinster Weise nachvollziehbar, weshalb bei uns eine strengere, generelle Abstandsregelung von 800 m statt 500 m gelten soll, als die bayerische Staatsregierung vorgibt“.

Warum wird der effektivste Standort Teisenberg ausgenommen?

Kreisrat Georg Huber (ÖDP) war sich mit Kreisrat Hans Schupfner (BP) einig, dass die Entscheidung des Gremiums gegen einzelne Bürgerwindräder auf dem Teisenberg nicht nachvollziehbar sei: „Einerseits wird uns von den Windkraftgegner immer vorgeworfen, dass unsere Anlagen nicht wirtschaftlich seien, da zu wenig Wind weht, und wenn wir dann Standorte wünschen, die mehr Wind hätten, werden diese Standorte aus anderen Gründen abgelehnt“.

Riesiger Sendemast auf dem Högl ja, Windrad nein? 

Auch Beisitzer Siegfried Weber sieht dies ähnlich: In seinen Augen sollte im Bereich Teisendorf und Ainring nicht nur der Teisenberg, sondern auch der Högl (welcher seit Jahrzehnten den allen bekannten ebenso hohen Sendemast beheimatet) angedacht werden. „Wie sonst können sich diese Kommunen in Zukunft „elektrisch“ präsentieren“?

Vorzeitige Ausbremsung ohne genaue Untersuchung

Beate Rutkowski, Kreisvorsitzende im Bund Naturschutz und ebenfalls Beisitzerin, betonte: „Wenn wir die Energiewende schaffen wollen, dann müssen wir neben allen Anstrengungen zum Energiesparen auch den Ausbau der dezentralen Windkraft in Bayern forcieren. Gerade weil Windräder vor Ort helfen, teure und mit großen Eingriffen einhergehende Stromautobahnen quer durch die Republik zu reduzieren. Es ist falsch, Kommunen, die sich für Windkraft engagieren, über die Regionalplanung wieder auszubremsen, bevor eine genauere Untersuchung der möglichen Standorte überhaupt stattfinden konnte“.

Ohne Windkraft ist das 100 prozentige erneuerbare Energieziel nicht erreichbar

Kreisrat Dr. Thomas Graf (ÖDP), Umweltreferent der Stadt Traunstein, betonte, dass die Windkraft im Mix der erneuerbaren Energien erst die Möglichkeit eröffnet, das leidige Thema „Grundlastfähigkeit“ neu und effizienter zu bewerten. Die mangelnde Grundlastfähigkeit galt ja bisher immer als Hauptargument gegen die Photovoltaik. Alle Anwesenden stimmten seiner Aussage zu, dass der derzeitige Entwurf des Planungsverbandes so nicht Rechtskraft erlangen dürfe, sondern im derzeitigen Abstimmungsverfahren deutlich nachgebessert werden müsse. Sonst würden viele der andiskutierten Standorte für Bürgerwindräder unter den Tisch fallen und das Ziel des Landkreises, den Anteil von umweltfreundlich und kostengünstigem Windstrom von derzeit ca. 6 auf 60 Mio kWh/Jahr bis zum Jahr 2020 zu erhöhen, werde unerreichbar.

Kreisrat Alfons Baumgartner (BP) sah den Planungsausschuss als Windkraftverhinderungsverband: „98,8 % der Fläche von den 5 Landkreisen TS, BGL, AÖ, MÜ, RO wurden als Windausschlussgebiet festgelegt. Da kann man nicht von „ausreichend Positivflächen“ sprechen, wie die bayerische Staatsregierung als Zielvorgabe von den Kommunen fordert, sondern da wurde bewusst mit den Ausschluss-Flächen übertrieben, um möglichst viele lukrative Standorte zu verhindern“!

PM  Aktionsbündnis  für Bürgerwindkrafträder im Landkreis Traunstein

Autor:
Datum: Freitag, 21. Dezember 2012 0:28
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Ein Kommentar

  1. 1

    Auch ich würde es gut finden, wenn es noch genügend sinnvolle Standorte für Windräder im Landkreis gäbe. Ich habe 3 Kinder und bin deshalb für die Energiewende mit Bürgerwindrädern auch im Alpenvorland. Und wenn in jeder Gemeinde 2 oder 3 Windräder stehen, kann doch kein vernünftiger Mensch von einer „Verspargelung“ der Landschaft sprechen. Schade, dass Landrat Steinmaßl (zumindest bei der Windenergie) nur von der Energiewende spricht, sie in Wahrheit aber eher boykotiert.

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