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Heftige Kritik am Projekt Aventura Neukirchen in einer von der Gemeinde Teisendorf angeforderten Stellungnahme

Teisendorf / Neukirchen. In dem von der Gemeinde angeforderte Stellungnahme zum geplanten Aventura in Neukirchen übt der für die Gemeinde zuständige Landschaftsarchitekt und Stadtplaner Dipl.-Ing. Wolf Steinert scharfe Kritik an dem Projekt Aventura. Bei Gradraus können Sie die Stellungnahme im Original nachlesen. Darin heißt  es:

Aventura schon einmal gescheitert     HINWEIS>>>

„Das gleiche Projekt war in der Gemeinde Kiefersfelden an der Autobahnausfahrt geplant und ist am Widerstand der Nachbargemeinden (z. B. Stadt Rosenheim) gescheitert. Die Nachbargemeinden befürchteten zu Recht Konkurrenz und Kaufkraftabfluss, der auch nachweisbar ist.

Es handelt sich um eine absolut städtische Infrastruktur zur Verkaufsförderung wenig regionaler Produkte, die den Autobahnbenutzer als Konsumenten zum Ziel hat. Vergleichbar sind Outletcenter, Airportcenter wie in Salzburg oder an der Brennerautobahn, hier gebaut auf der „Grünen Wiese“ ohne Bezug zu einer gewachsenen Ortslage (reiner Außenbereich, Zersiedelung).“

Orts- und Umweltverträglichkeit außer acht gelassen

„Die „futuristische Architektur“ ist vollkommen beliebig, der Flächenverbrauch groß ohne Rücksicht auf die Bemühungen der Gemeinden, Landkreise und Staatsregierung zur Reduzierung von „Flächenverbrauch und Versiegelung“. Orts- und Umweltverträglichkeit spielen keine Rolle. Ziel ist vor der Stadt Salzburg, mit dem geplanten Angebot, Kaufkraft abzuschöpfen, die den Städten und Gemeinden im Umland verloren geht und zu teilweisen Verlust von bestehender Infrastruktur/Geschäften führt.“

Geschäfte an der Autobahn A 8 führen zum Kaufkraftverlust in den umliegenden Ortschaften

„Im Fall der Autobahn A 8, die aufgrund einer fehlenden S-Bahn, viele Pendler und regionale Verkehre aufnimmt, muss von überregionalen und regionalen Auswirkungen auf das Käuferverhalten und Kaufkraftverlusten aus den Ortslagen ausgegangen werden. So zeigt sich deutlich, dass die Fastfood-Restaurants neben der Autobahn zum Gasthaussterben in den Orten beitragen. Gleiches gilt für Standorte wie Tankstellen und Übernachtungsangebote.“

Das Anbindegebot in der  Raumordnung ist nicht gegeben

„Die Regierung von Oberbayern hat die fehlende Anbindung des im Flächennutzungsplan dargestellten Gewerbegebiets dargestellt. Eine Abwägbarkeit für die Gemeinde dazu besteht nicht. Ein Ausnahmetatbestand kann nicht definiert werden (s. Kiefersfelden), da der Standort Aventura beliebig und nicht an eine unmittelbare Autobahn oder einem Eisenbahnanschluss gebunden ist. Damit kann auch einem vorhabensbezogenen Bebauungsplan seitens der Gemeinde nicht zugestimmt werden, weil eine Darstellung im Flächennutzungsplan nicht möglich ist!  Der erste Schritt wäre ein Raumordnungsverfahren, in dem vor allem die Gemeinden, die wie Teisendorf viel Arbeit und Mittel im Rahmen der Ortsplanung und Städtebauförderung zur Stärkung der Infrastruktur in den Orten aufbringen, beteiligt werden, da jahrelange Zielsetzung hinterfragt werden müssen. Die Projektwirkung ist auf jeden Fall raumbedeutsam.“

Negative Auswirkungen auf die Gemeinde Teisendorf

„Das Projekt stärkt nicht den Markt Teisendorf in seinem Bemühen, die Marktstrukturen mit ihren kleinteiligen Geschäften und Dienstleistungen zu sichern. Es wird auch zu Kaufkraftverlagerung aus dem Markt Teisendorf und allen umliegenden Orten kommen, da der Autobahnstandort ein Konkurrenzstandort im 24 Stundenbetrieb für die angebotenen Artikel in den jetzigen Ortslagen darstellt. Es entstehen keine qualifizierten Arbeitsplätze, damit geringe Steuereinnahmen für die Gemeinde.“

Die Konsumerweiterung ist rückwärtsgewandt

„Konzept und Angebot von Aventura sind rückwärtsgewandt (Konsum) und entsprechen keiner nachhaltigen Gemeindeentwicklung im ländlichen Raum. Ein öffentliches Interesse ist so nicht erkennbar.“

Massive ortsplanerischen Folgen für Neukirchen

„Ein erheblicher Flächenzuwachs des dörflich geprägten Ortes Neukirchen ohne Bezug zum gewachsenen Ort. Die heutige touristische Zielsetzung müsste in vielen Bereichen aufgegeben werden. Starke Eingriffe in Natur und Landschaft, randliche Biotopflächen, Oberflächengewässer. Potenzielle Erweiterungsflächen können unter Vorgabe wirtschaftlicher Zwänge wohl kaum begrenzt werden. Architektur und Konzept sind ohne ortsplanerischen Bezug zu Neukirchen und damit beliebig, eher städtisch und für den Ort Neukirchen fremd. Aus ortsplanerischer Sicht ist es für die Marktgemeinde Teisendorf von entscheidender Bedeutung, ob Maßnahmen im Rahmen des Flächennutzungsplan und der Städtebauförderung zum Wohl der Allgemeinheit und zur Sicherung der Nahversorgung und Dienstleistung vor Ort erbracht werden oder ob ein verständliches, aber rein wirtschaftliches Einzelinteresse abzuwägen ist.

Es wird dem Markt folgendes empfohlen: Eine angepasste Hotelentwicklung im Markt; die Sicherung der örtlichen Kaufkraft in den vorhandenen Geschäften; weitere attraktive Nutzungen und Inhalte, die im Rahmen der Städtebauförderung eingebracht und umgesetzt werden und eine weitere Attraktivitätsverbesserung des Marktes darstellen; die Erhaltung von Natur und Landschaft auch für den Fremdenverkehr und Tourismus in Neukirchen; Verbesserung der Immissionssituation durch entsprechende Lärmschutzmaßnahmen im Rahmen des Autobahnausbaus.

Um die gesamten Auswirkungen des Projekts Aventura auf die Marktgemeinde und auf das Umland zu definieren, ist auf jeden Fall auch seitens der Gemeinde ein Raumordnungsverfahren zu unterstützen.“

Gutachten von Dipl.-Ing. Wolf Steinert im Original>>> 

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Datum: Montag, 26. November 2012 15:36
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