gradraus

„Du Land der Bayern – bald verbaut?“

Diese bange Frage stellt die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege zu Recht in einer aktuellen Pressemitteilung, um auf die akuten Gefahren der ständig fortschreitenden Flächen-Versiegelung hinzuweisen: „Deutschland steht bei der Flächenversiegelung in Europa an erster Stelle. Das hat weitreichende Folgen. Wir verlieren ständig Frei- und landwirtschaftliche Flächen sowie Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Die Pflanzen- und Tiervielfalt leidet darunter. Der Oberflächenabfluss des Regenwassers wird gesteigert; die Kanalisationsnetze werden überlastet. Weniger Wasser gelangt ins Grundwasser. Die Stoffbelastung des Grundwassers steigt durch die geringere Filterleistung.“ Um dieser bedrohliche Entwicklung entgegenzusteuern, hat die Akademie nun die Arbeitsgruppe „Stadt- und Landschaftsökologie“ gegründet. Für die Akademie steht fest: „Bayern darf nicht verbaut werden.“

Natur- und Landschaftsräume werden von manch verantwortlichem Lokalpolitiker in unverantwortlicher Weise schnell und bereitwillig geopfert, sobald Investoren mit der Verheißung auf sprudelnde Gewerbesteuereinnahmen locken. Direkt vor der eigenen Haustür im Berchtesgadener Land kann die in Laufen ansässige Akademie auf ein neues Demonstrationsobjekt solch ungezügelten Bauwahns verweisen. Rund 47.000 Quadratmeter Grünland sollen dort in Beton gegossen werden. Schutz der Artenvielfalt, mit solchen Werten können solche Politiker nicht viel anfangen; bei ihnen genießt die Hege und Pflege einiger weniger Exemplare den Vorrang – etwa des einheimischen Baulöwen Max Aicher. Der Investor träumt von einer „Einkaufs-Erlebniswelt mit den Schwerpunkt Sport und Outdoor“ (was immer das heißen mag) direkt an der Autobahnausfahrt Neukirchen soll, mitten hinein in die Schönheit des Berchtesgadener Landes. Seine Pläne wurden vergangene Woche im Teisendorfer Gemeinderat und werden nun auf der Bürgerversammlung in Teisendorf vorgestellt.

Das 35-Millionen-Euro-Projekt mit Gastronomie, Hotel, Tankstelle und Veranstaltungsräumen war ursprünglich in Kiefersfelden geplant, dort aber im Frühjahr dieses Jahres gescheitert, weil das Bayerische Wirtschaftsministerium die Pläne für das Einkaufs- und Erlebniszentrum „Aventura“ klar ablehnte. Rosenheims Bürgermeisterin Gabriele Bauer wurde dazu in der Zeitung zitiert: „Diese Entscheidung bestätigt die konsequente Linie der Stadt Rosenheim in dieser Frage. Wer vitale und intakte Innenstädte will, darf nicht auf der grünen Wiese derartig groß dimensionierte Handelszentren zulassen. Insofern bin ich sehr froh, dass das Ministerium im Zielabweichungsverfahren die landesplanerische Unverträglichkeit dieses Projekts eindeutig bestätigt hat“ (rosenheim24.de, 22.3.2012).

Diese Stimme der Vernunft, die aus der Stadt Rosenheim kam, wird hoffentlich auch in Teisendorf das Sagen haben.

Lesen Sie dazu auch den Beitrag: „Kaufkraft abschöpfen auf der grünen Wiese“ http://gradraus.de/grdrswp/?p=8830

<print_link>

 

 

Autor:
Datum: Dienstag, 13. November 2012 18:27
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: ! Aktuell !, Naturschutz, Umweltbewusstsein

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren.
Pingen ist momentan nicht möglich.

Kommentar abgeben


Ihr Kommentar:

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessern. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.