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Kaufkraft abschöpfen auf der grünen Wiese
Futuristischer Konsumtempel in Neukirchen geplant

An der A 8: In der Mitte der X-förmigen Bau mit Hotelbau

Neukirchen/Teisendorf. Neuerdings will man aus dem vorbeibrausenden Verkehr auf der Autobahn Kapital schlagen. Wer sich noch daran erinnert, als man als Autofahrer nur auf Landstraßen die Alpen überqueren konnte, befanden sich an den Straßenrändern immer wieder neben der Gastronomie zahlreiche Geschäfte, Wegelagerern gleich, die allerlei Waren feil boten. Mit der Errichtung der Autobahn war damit Schluss. Nun erinnert man sich offenbar dieser Einnahmequelle wieder- aber das Ansiedeln von einzelnen Verkaufsbuden an der Autobahn geht natürlich nicht. Stattdessen will man nun auf der grünen Wiese bei vorgegebenen Ausfahrten einen riesigen Basar errichten, möglichst futuristisch gestaltet im Stile der modernen Einkaufspaläste. Schließlich ist Konsumieren um jeden Preis zum Volkssport in unserer Wegwerfgesellschaft geworden, dank der einflussreichen Werbung. Falls das Shoppen noch zu wenig attraktiv sein sollte, plant man im Verbund auch noch einen Outdoor-Event-Bereich und einen Veranstaltungssaal. Für Gestaltungsmöglichkeiten sind die Planer offen und hoffen auch auf ortsbezogene Gegebenheiten und Einfälle.

Hinweis: Wie so ein Modell aussieht,  bitte hier anklicken>>>

Aventura – Ein Projektmodul international einsetzbar

Wie Projektmanager Dipl.-Ing. Hans Lindenberger der Gradraus-Redaktion mitteilte, plane man unabhängig vom Standort, ob in Deutschland, Österreich, Italien oder sonst wo in Europa eine Gesamtlösung eines multifunktionalen Centers mit Handelsschwerpunkt Sport und Abenteuer (daher der Name AVENTURA) als einsetzbares Projektmodul. „So ein multifunktionales Center kann z.B. an jeweils stark befahrenen Autobahnen den Anreiz zur Unterbrechung der Autofahrt und zum Verweilen in einer sonst nur durch überwiegend durch Transitverkehr geprägten Gemeinde bieten.“

Aventura in Kiefersfelden wurde  nicht  genehmigt

In Kiefersfelden hat man ein Wiesengrundstück, einen Investor und einen Bürgermeister gefunden, der glücklich war, mit so einem Projekt sein mageres Gemeinde-Budget mit der zu erwartenden Gewerbesteuer aufbessern zu können. Der Kiefersfeldener Bürgermeister Rinner der 6900 Einwohner zählenden Gemeinde zeigte sich dementsprechend enttäuscht, als die Absage für die geplanten Einkaufs- und Erlebniswelt „Aventura“ in Kiefersfelden durch die oberste Landesplanungsbehörde im Bayerischen Wirtschaftsministerium kam. In der Begründung hießt es unter anderem: „Lebenswerte und attraktive Innenstädte prägen das Gesicht Bayerns. Sie sind aber auch Voraussetzung für eine verbrauchernahe Versorgung. Der Schutz dieser Strukturen ist ein zentrales Anliegen des Einzelhandelsziels im LEP. Die Konzeption des ‚Aventura Kiefersfelden’ widerspricht diesen Vorgaben deutlich. Auch das Zielabweichungsverfahren ergab keine andere Gesamtbewertung des Vorhabens“.

Gemeinderat und Bevölkerung sollen sich dafür aussprechen

Was in Kiefersfelden nicht geglückt ist, soll nun an der Autobahn A 8 bei der Ausfahrt Neukirchen gelingen. Vorausgesetzt der Gemeinderat von Teisendorf stimmt mehrheitlich zu. Das Grundstück für dieses Projekt, das im Besitz von Max Aicher ist und bereits im Flächennutzungsplan als Gewerbegebiet, Autohof und für Dienstleistung ausgewiesen wurde, befindet sich direkt an der Autobahnausfahrt Neukirchen in Richtung Salzburg. Auch wenn die Ausfahrt Neukirchen bei der neu gestalteten Autobahn A 8 ein paar hundert Meter westlich verschoben werden sollte, so wird dieses Gelände nicht tangiert.

Wie Projektleiter Lindenberger weiter ausführt, ist ihm sehr daran gelegen, dass auch die Bevölkerung hinter diesem Projekt steht. Um das zu erreichen, wird der Teisendorfer Bürgermeister in den vier Bürgerversammlungen kommender Woche bemüht sein, das Projekt der Bevölkerung schmackhaft zu machen.

Starke  Vorbehalte zu befürchten

Neben den möglichen Einwändungen der Bevölkerung bezüglich Landschaftsschutz, Sinn und Nutzen eines solchen Projekts, wiegen die ablehnenden  Argumente von Kiefersfelden schwer. Nach dem Anbindungsgebot des Landesentwicklungsprogramm Bayern (LEP), wonach die Landschaft nicht zersiedelt und Fläche nicht unnütz verbraucht werden soll, dürfte der Standort an der Autobahn in Neukirchen genauso ungünstig sein, wie in Kiefersfelden. Es könnte sein, dass eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden müsse. Der weitere Negativ-Bescheid betrifft das Einzelhandelsziel im LEP.  Traunstein mit seiner vielseitigen Einzelhandelsstruktur würde nur 10 km (11 Min.) entfernt liegen. Zum Vergleich: Rosenheim-Kiefersfelden 32 km (31 Min.). Es ist also zu erwarten, dass der Einzelhandel von Traunstein und vermutlich auch von Waging, Teisendorf und Freilassing hier massive Bedenken vorbringen wird. Denn wo Kaufkraft verloren gehen könnte, hört meistens der Spaß auf. Man darf gespannt sein auf die Auseinandersetzungen, die mit der Vorstellung des Projekts im Gemeinderat in der letzten Woche begonnen haben.

Wir werden weiter darüber berichten, insbesondere über das Für und Wider. Die von uns von der Gemeinde angeforderte Stellungnahme von Landschaftsarchitekt Wolf Steinert wird uns leider erst nach den Bürgerversammlungen zur Verfügung gestellt.

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Datum: Sonntag, 11. November 2012 20:15
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