gradraus

Hans Urbauer: Abschiedsrede für Sepp Daxenberger

Die folgende Rede hat Hans Urbauer auf den am 18. August 2010 verstorbenen Sepp Daxenberger gehalten. Sie fasst das politische Vermächtnis des früheren Bürgermeisters von Waging am See und bayerischen Landtagsabgeordneten zusammen und gibt treffend die natürliche und prägnante Art wieder, in der Sepp geredet hat. So ist dieser Text ein berührender Ausdruck langjähriger Freundschaft und gleichzeitig Zeugnis einer für die Region charakteristischen Denkweise und sprachlichen Ausdrucksform – der Region, aus der unser „Gradraus“-Forum entstammt.

Mit dem Sepp tragen wir heute einen Freund zu Grabe, mit dem wir eine interessante, spannende, und auch sehr erfolgreiche Zeit gemeinsam durchleben durften. Es waren etwa drei Jahrzehnte!

Der Sepp war eine außergewöhnliche Persönlichkeit – belächelt und bekämpft am Anfang, umworben und bewundert als Bürgermeister von Waging. Schon fast kultmäßig verehrt während seiner schweren Krankheit und den Erfolgen seiner Grünen Partei.

Wie würde der Sepp damit umgehen, wenn er die unglaubliche Resonanz miterleben dürfte?

Er würde sagen: „Schee, dass so vui kemma sand. Globt habts mi aa gscheit – des hot mi sakrisch gfreit!“

Der Sepp würde aber auch sagen: „Liabe Leit, es gibt no an hauffa zum erledigen, unbandig vui zum doa!“ Da dürfma koa Zeit verliern, mia miaßn opacka.

1. „Mia miaßn unsa Heimat dahoitn!“
Des geht nur mit de Bauern. Vor allem de Muichbauern brauchan an gscheidn Preis, um überlem zu könna. Nur so könn ma dann a unsa schöne Landschaft dahoitn.

2. „De Gentechnik hat in unsare Lebensmittel und in der Natur nix zum suacha.“
Vo dem Zeugs laßt si nix mehr zruckhoin.
De Gentech-Konzerne miaß ma in de Schrankn verweisn, dene miaßn mia zoagn wer oschafft. Und net umkehrt.

3. „Den Energie-Bereich miaß ma selber in d’Hand nehma!“
Einsparen, regenerative Energie erzeugn, Energie effizient und intelligent nutzn – so könn ma und miaß ma alle Atomkraftwerke umgehend abschoitn! Oa Tschernobyl is bereits oans zu vui!!!

4. Da große Autobahn-Ausbau, da Donauausbau und einiges mehr sind unverantwortlich.
De Projekte entspringan der Denkweise vo gestern. Des olles is nimma zeitgemäß. Do miaß ma umdenga.

5. Mia olle mitanand miaßn wieda ofanga, uns in der Politik mehr um d’Leit zu kümmern.
Um unsere Menschen geht’s, net um Aktienkurse, Fondsmanager, Bankenverscherbler und ähnliche Abzocker.

Da Sepp hot de Themen, hot des Programm selber glebt und verkörpert.

Am Sepp waar wichtig, dass ma seine Ideen jetzt weiterführen!
A jede und a jeder Einzelne, quer durch de Parteien und Gruppierungen.

Zum Schluß noch ein ganz, ganz herzlicher Dank an die Eltern vom Sepp.

Dass ihr eahm an Rücken freighaltn habt, dass ihr eahm Arbeit am Hof obgnomma habt, und eahm unterstützt habt. Und damit sein Werdegang eigentlich erst ermöglich habt.

Ein ganz herzliches Vergelts Gott auch der Gertraud für die große Leistung auf dem Bauernhof, für de Kinder, und aa im kirchlichen Leben.

Und a besonderer Dank natürlich unserem Freund, dem Sepp, für die vielen Jahre, die wir miteinander erleben ham derffa.

Du bleibst unter uns, auch wenn du körperlich nicht mehr dabei bist.

Diesen Beitrag drucken Diesen Beitrag drucken

Autor:
Datum: Dienstag, 14. September 2010 15:32
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: ! Aktuell !, Kultur - Kultur - Kultur, Umweltbewusstsein

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren.
Pingen ist momentan nicht möglich.

Kommentar abgeben


Ihr Kommentar:

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessern. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.