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Tetrafunk: Diese Firmen handhaben das Standortmanagement in Bayern

Foto: M.E. / Pixelio.de

Im Mai 2009 erhielt die Firma telent GmbH nach einer Ausschreibung durch das Bayerische Innenministerium den Zuschlag für den Auftrag, das Standortmanagement für ganz Bayern und die damit verbundene Koordination mit der Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS) durchzuführen. Wer ist eigentlich die telent und mit wem arbeitet sie zusammen?

Bei der telent handelt sich um eine Tochterfirma der telent Ltd. aus Großbritannien (mit international rund 2500 Mitarbeitern). Das deutsche Dienstleistungsunternehmen im Bereich Telekommunikationsnetze hat seine Zentrale im württembergischen Backnang und beschäftigt etwa 250 Mitarbeiter. Zu den Kunden zählen unter anderem die Deutsche Bahn, E.ON, RWE und EnBW, die Polizei Baden-Württemberg und die Deutsche Flugsicherung GmbH. Und seit 2009 auch der Freistaat Bayern.

Ein Partner der telent: Die Abel Mobilfunk GmbH

Wenig bekannt ist, dass die Telent das Digitalfunk-Projekt in Bayern nicht allein, sondern gemeinsam mit Partnerunternehmen durchführt. Da ist zum einen die frühere DigiCos GmbH, die jetzt GA Netztechnik GmbH heißt, ihren Sitz in Bietigheim-Bissingen (Baden-Württemberg) hat und nach eigenen Angaben einer der größten Anbieter im Bereich Telekommunikation in Deutschland ist.

Und da ist zum anderen die Abel Mobilfunk GmbH & Co. KG, ein Dienst-leistungsunternehmen „in Sachen Mobilfunk und Telekommunikation“ (so die firmeneigene Webseite). Die Firma hat ihre Zentrale in Engelsberg, der nördlichsten Gemeinde im Landkreis Traunstein. Eben diese Firma, die von der Bayerischen Staatsregierung (Innenministerium) 2009 zusammen mit der telent den lukrativen Auftrag der Standortakquise für den Digitalfunk in Bayern erhalten hat, wurde gestern von der Bayerischen Staatsregierung (Wirtschaftsministerium) als eines der wachstums- und umsatzstärksten Mittelstandsunternehmen in Bayern geehrt („Bayerns Best 50“).

Laut Bayerischem Innenministerium ist außerdem auch der TÜV Rheinland mit der Koordination des bayernweiten Netzaufbaus beauftragt. Die Aktiengesellschaft mit 500 Standorten in 61 Ländern macht gut die Hälfte ihres Umsatzes (im Rekordjahr 2010 waren es 1,3 Milliarden Euro) in Deutschland, wo sie rund 6700 Mitarbeiter beschäftigt.

Anti-Informationspolitik rächt sich

Per Pressemeldung hatte die telent GmbH im Mai 2009 verkündet, dass der Digitalfunk in Bayern spätestens 2012 flächendeckend zur Verfügung stehen würde. „Durch die fristgerechte Realisierung können die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben in Bayern beginnend ab 2011 von der neuen TETRA-Technologie profitieren.“ Diese optimistische Rechnung wollte das Unternehmen am liebsten ohne den Wirt machen, das heißt: Das Vorhaben sollte heimlich, still und leise, an den Bürgerinnen und Bürger vorbei, realisiert werden. Um den Widerstand vor Ort zu unterbinden, hat die Telent diejenigen, die bereit waren, ihr Grundstück als Standort für Digitalfunkmasten zur Verfügung zu stellen, vertraglich zum Stillschweigen verpflichtet. Unterstützt wurden sie dabei von den kommunalen Behörden, die die Nachbarn der Vermieter über den Standort informierten und auf deren Pflicht zur Geheimhaltung hinwiesen.

Diese Verpflichtung zum Stillschweigen erfolgte auch noch zu einer Zeit, als das Bayerische Innenministerium die strenge Geheimhaltung längst aufgehoben hatte.  Das Geheim-haltungsmanagement, pardon, das Standortmanagement ist im Ergebnis gründlich schief gegangen. Denn der Widerstand vor Ort wurde und wird gerade durch die Empörung über die Anti-Informationspolitik nur noch mehr geschürt.

Aus Digitalfunkmasten können später Mobilfunkmasten werden

Unterdessen sind Mobilfunkanbieter wie die Telekom, O2 und Vodafone dabei, die neue Funktechnik für mobiles Hochgeschwindigkeitsinternet LTE (Long Termin Evolution) zu etablieren. In München, aber auch im ländlichen Raum schreitet der Netzausbau voran (in Ebersberg läuft ein LTE-Pilotprojekt). O2 erklärt, dass dafür keine neuen Standorte geplant seien, sondern bereits bestehende Basisstationen umgerüstet würden.

Der Nachbar eines privaten Grundstückvermieters im Landkreis Altötting, der mit der telent einen Vertrag abgeschlossen hat, bringt auf den Punkt, worin die eigentliche und größte Sorge der Anwohner besteht: „Wenn die Masten für die Digitalfunk-Antenne erstmal dastehen, werden früher oder später auch Mobilfunkantennen darauf installiert werden.“

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Datum: Donnerstag, 28. Juli 2011 11:38
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