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Verkehr zunehmend ein Problem –
Umweltverband Alztal zu Gast in der Naturwelt Chiemsee

Chiemseeufer bei Seebruck. Foto: gradraus

Chiemseeufer bei Seebruck. Foto: gradraus

Mehr als 400 Mitglieder hat der Umweltverband Alztal und Umgebung e.V. (UVA) mittlerweile. Seit 1980 beschäftigen sich die Aktiven des Trostberger Vereins mit den Themen Umwelt, Umweltschutz und Stadtentwicklung. Das berichtete 2. Vorsitzender Reinhold Schopf bei seinem Besuch in Esbaum bei Seebruck. Eingeladen hatte ihn die Naturwelt Chiemsee.

Viele verbinden den Umweltverband mit Klagen gegen Straßenbaumaßnahmen. Zuletzt hatte er sich bei seinem Einsatz in Sachen Aubergtunnel nicht nur Freunde gemacht. 2007 hat der Verband ein allgemeines Klagerecht erhalten. Dass aber die Tätigkeiten und Interessen des Verbandes sehr viel umfassender sind, wussten bisher wohl nur wenige: Sie reichen vom eigenen Kartoffelfeld auf einem 3000-Quadratmeter-Grundstück über Innenstadtbelebung oder die Dokumentation von Veränderungen bis hin zu Verkehrsfragen. Die Initiative zum Wiederbeleben von Wanderwegen, zu Schadstoffmessungen und Überlegungen zu intelligenten Verkehrskonzepten gehören ebenso dazu wie Kindergartenkonzepte, bei denen die Natur und der Umweltschutz den Kindern nahegebracht wird. Außerdem bietet der UVA verschiedenen Bürgerinitiativen Unterstützung an.

Foto-Dokumentation geplant: So verändert sich die Landschaft im Chiemgau

Hinzugekommen sind die Mitglieder nach und nach aus verschiedenen Motiven. Auch der geringe Mitgliedsbeitrag (6 EUR) spielt dabei vermutlich eine Rolle.  Reinhold Schopf selber wurde wegen des Mobilfunks Mitglied. Andere kamen wegen der Trostberger Ortsumfahrung und ursprünglich auch wegen der Planungen für einen Chiemseeringkanal. Bürger finden den Weg zum UVA aber auch über Themen wie die Trinkwasserbelastung durch PFOA (die Säure fällt bei der Tefal-Herstellung an) im Bereich Gendorf, angesichts unaufhörlicher Gewerbe- und Baugebietsausweisungen, durch den geplanten Bau eines Ersatzbrennstoffkraftwerks bei Trostberg, die beabsichtigte Fällung von Platanen oder auch durch die Tiefenbohrungen, mit denen Oberflächenwasser bis ins Grundwasser abgeleitet wird.

Der ehrenamtlich organisierte UVA will unsere Landschaft, unsere Heimat und die einzigartige Schönheit des Chiemgaus erhalten, so Schopf. Als Zukunftsprojekt plant man eine Fotogalerie, die die Veränderungen der Umwelt dokumentieren soll. Reinhold Schopf startete einen Aufruf: „Wir würden uns über alte Bilder freuen, die in irgendeiner Schublade schlummern. Wir scannen die Fotos ein und geben sie wieder zurück.“

„Brauchen wir wirklich Blumenkohl aus Amsterdam?“

Schon während des Vortrags gab es immer wieder hitzige Debatten. Der eine wollte den Verkehr aus seinem Ort aussperren, der Nächste beschwerte sich sofort, dass dann der Verkehr bei ihm durchfährt. Ein anderer musste sich die Kritik eines Gleisanwohners anhören, als er den Verkehr noch mehr auf die Schiene verbannen wollte. Einigkeit gab es allerdings zur Aussage von Jochen Nistler aus Vachendorf. Er appellierte, die Leute sollten mehr regionale Produkte einkaufen. Der Gärtner stellte die Frage: „Brauchen wir wirklich Blumenkohl aus Amsterdam? Solange Güter über große Entfernungen für billig Geld hin und her transportiert werden, solange werden wir an einer Zunahme des Verkehrs leiden.“ So wäre es freilich eine feine Sache, wenn die Leute nicht am eigenen Laden im Ort vorbeifahren, weil weiter entfernt die Waren vermeintlich 2 Cent billiger ist. Egal, ob es dabei um Benzin, Lebensmittel oder Pflanzen geht.

Ein Seebrucker Bürger (der seinen Namen nicht nenne wollte, weil Repressalien fürchtete) plädierte für eine Gesamtumfahrung, „eine große gescheite“, des Ortes Seebruck. Die Uferpromenade wäre am Besten völlig frei von Verkehr. Es sei ihm klar, dass für eine Realisierung 20 bis 30 Jahre veranschlagt werden müssten. Solange sollte erst einmal die alte Brücke saniert werden und der Verkehr weiterlaufen.

Recht auf Bürgerbeteiligung nutzen

Am Ende waren sich alle zumindest in einem Punkt alle einig: Umweltverantwortung betrifft jeden und beginnt bereits im Kleinen. Gleichzeitig ist ein Blick über die eigene Region hinaus wichtig. In dem Zusammenhang beklagte Schopf, dass leider einige Gemeinde- und Stadträte nicht über die Grenzen ihre eigenen Kommune hinaus schauten.

Die Leute sollten ihr Recht auf Bürgerbeteiligung nutzen, wo es nur geht. Auch wenn zuweilen der Eindruck besteht, dass man nicht viel erreichen kann. Dabei sei es aber schon wichtig, auch die Interessen der anderen Bürger nicht außer Acht zu lassen. In jedem Fall müsse man beim Einsatz für die Umwelt Geduld und Ausdauer haben.

Die Naturwelt Chiemsee e.V. bedankte sich mit einer Minze-Pflanze bei Reinhold Schopf für den Vortrag und wünschte dem UVA weiterhin viel Erfolg und Weisheit bei ihren Projekten.

Naturwelt Chiemsee e.V. / PON

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Datum: Samstag, 29. April 2017 0:19
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