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Fünf Jahre „Lebenswertes Bad Reichenhall“ –
Aktivitäten mit breiter Themenpalette

Kahlschlag auf dem ehemaligen Geländes der Abfallanlage in Türk. Foto: LR e.V.

Kahlschlag auf dem ehemaligen Geländes der Abfallanlage in Türk. Foto: LR e.V.

Vorsitzender Manfred Hofmeister konnte zur Jahreshauptversammlung des Vereins „Lebenswertes Reichenhall“ zahlreiche Mitglieder begrüßen. Kernthemen des vor fünf Jahren gegründeten Vereins sind unter anderem eine kurortverträgliche Gewerbeansiedlung, der Erhalt von Bad Reichenhall als Kurstadt sowie ein schonender Umgang mit wertvollem Boden. Anlass für die Gründung 2012 war die überdimensionierte Planung zur Abfallanlage in Türk.

Der Verein hat daneben zahlreiche andere Aktivitäten entwickelt, wie zum Beispiel die Vorbereitungen zum Bürgerentscheid Kirchholztunnel, den Lärmschutz an der B 21, Informationen zum Förderverfahren der Breitbandinternetversorgung – vor allem in unterversorgten Außenbereichen – sowie einen geschichtlichen Vortrag und den Sachstand zum Schloß Marzoll. Der Vereinsausflug auf den Predigtstuhl im Juli 2016 war ein schönes Erlebnis für alle Beteiligte. Daneben rief der Verein in den vergangenen Jahren mehrfach zu Spendenaktionen auf, zur Hochwasserhilfe in Freilassing, für das Tierheim sowie zur lokalen Flüchtlingshilfe. Insgesamt wurden etwa 5700 Euro von den Mitgliedern dafür aufgebracht. Ein sehr respektables Resultat für einen Verein von etwa 125 Mitgliedern.

Nach dem Totengedenken an die 2016 verstorbenen Mitglieder Josef Berger und Reinhard Hoyer wurde der Kassenbericht mit Kassenprüfung durchgeführt. Dem Kassier Rupert Reischl wurde eine tadellose Kassenführung bestätigt. Anschließend gab der Vorsitzende einen kurzen Rückblick und einen Tätigkeitsbericht. Besonders erfreulich waren die Eintritte von zehn neuen Mitgliedern im zurückliegenden Jahr 2016. Der Vorsitzende rief dazu auf weiterhin Mitglieder zu werben, denn der Verein lebt von Beiträgen.

Ein besonderer Erfolg des Vereins nach über fünf Jahren sei zweifellos die Schließung der Abfallanlage in Türk und das Ende einer permanenten Nichtbeachtung von Vorschriften und Umweltauflagen. Der Petitionsausschuß des Bayerischen Landtages hatte die Schließung im Juni 2016 offiziell mitgeteilt, als Ergebnis der 2012 mit rund 2000 Unterschriften eingereichten Petition.

Die Aktivitäten in 2016 waren unter anderem eine sehr fundierte inhaltliche und rechtliche Stellungnahme des Vereins zum Gesteinsabbau in der Rothofenrinne, sowie Stellungnahmen und Verbesserungsvorschläge zu Planungen einer Logistikdrehscheibe in Türk mit dem Ziel die versprochene Nachbarschaftsverträglichkeit zu erreichen.

Für Diskussionsstoff in der Aussprache sorgte die Einverleibung von Grünland in das bestehende Gewerbegebiet in Türk ohne rechtliche Grundlagen. Der Betreiber hat ein Flurstück (Nr. 709/1 entlang des Radweges) bereits 2015 abgeschoben und dieses in das Gewerbegebiet einverleibt. Gleichermaßen auf Unverständnis stößt die komplette Abholzung aller Bäume auf dem ehemaligen Gelände der Entsorgerfirma (siehe Foto), obwohl der bis jetzt immer noch gültige Bebauungsplan aus 1992 bestimmte Bereiche mit Bepflanzung vorsieht und ein neuer BebPlan noch nicht vorliegt. Warum kann sich ein Investor hier so etwas erlauben, während andere sich an die Vorschriften halten müssen, war der Tenor etlicher Wortmeldungen. Auch der Bebauungsplan Auenstraße wurde diskutiert und die Maximalplanung in einem kleistrukturierten Siedlungsgebiet hinterfragt. Nach Aussagen von Anwohnern sei ein Gerichtsverfahren zu erwarten.

Der Verein hat in 2016 auch das Thema Elektrosmog thematisiert. Ein fachlich sehr fundierter Vortrag von Dr. Dietrich Moldan zu Grundlagen, Auswirkungen und Empfehlungen konnte im Juni angeboten werden. Mit dem Film „Thank You for Calling“ im März 2017 im Park Kino ist es dem Verein gelungen, einen viel beachteten Dokumentarfilm zu einem bisher in der Öffentlichkeit zu wenig bekannten Thema, nämlich zu aktuellen Forschungsergebnissen und Risiken des Mobilfunks, nach Bad Reichenhall zu holen. Die Anwesenheit des Regisseurs Klaus Scheidsteger war ein besonderes Ereignis und unterstrich die Authentizität in der anschließenden Aussprache. Besonders hervorzuheben war die gute Kooperation mit dem Park-Kinobetreiber Josef Loibl. Der Ratgeber zu „Elektrosmog im Alltag“ des Landes Salzburg/Diagnose Funk fand reges Interesse.

Zum Thema Verkehr organisierte der Verein im Dezember 2016 einen Informationsabend mit dem Unternehmer Max Aicher. Es wurde dabei die Idee der Ortsumfahrung parallel zur B 20/21 vorgestellt. Es bleibt abzuwarten, ob und wie sich diese Option (Auentunnel) weiterentwickelt.

Abschließend gab es einen Ausblick für 2017. Unter anderem ist geplant, den Vereinsausflug im Juli zum Chiemsee auf die Fraueninsel durchzuführen. Als kleines Zeichen der Anerkennung für besondere Verdienste um den Verein wurde der Schriftführerin Sylvia Hoyer ein Blumenstrauß überreicht. Frau Hoyer verkörpert die „gute Seele“ des Vereins und hat maßgeblich die Aktivitäten der letzten fünf Jahre mitgestaltet. Auf dem Bild sind (von links) der stellvertretende Vorsitzende Norbert Scheuerer, Schriftführerin Sylvia Hoyer sowie der Vorsitzende Manfred Hofmeister abgebildet.

Blumen für Sylvia Hoyer von Verein Lebenswertes Reichenhall

Blumen für Sylvia Hoyer

Zum Abschluß zeigte Dr. Thomas Spiethof eine beeindruckende Bilderschau. Zunächst Aufnahmen der Ortseinfahrt Türk vor und nach den Abholzungsaktionen auf dem Gelände des Gewerbegebietes und angrenzender Flurstücke. Daran anschließend gab es dann musikalisch untermalt Bilder mit Pflanzen- und Naturimpressionen im Frühling. Ein Frühlingsgedicht von Ursula Spiethoff rundete den Schlussteil ab.

Lebenswertes Reichenhall e.V.

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Datum: Samstag, 8. April 2017 9:47
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