gradraus

Friedensgruppe Bayern Südost gegründet – Forderung: Deutsche Kriegsbeteiligung stoppen

Friedensdemonstration in München anlässlich der Sicherheitskonferenz. Foto: Mark Mayer

Friedensdemonstration in München anlässlich der Sicherheitskonferenz. Foto: Mark Mayer

„Bundeswehr rüstet für den Cyberkrieg“, diese Nachricht hat gestern Aufsehen erregt. Im Rahmen einer neuen Truppe mit 14000 IT-Soldaten sollen 60 Spezialisten künftig Cyberangriffe in Einsätzen mit Bundestagsmandat planen. In Kirchanschöring hat sich an diesem Tag eine Bewegung formiert, die in die entgegengesetzte Richtung geht: Sie will sich für den Frieden in der Welt einsetzen.

Buchstäblich auf Taubenfüßen kommt die Friedensbewegung, die sich vor zwei Jahren bundesweit formiert hat, jetzt auch in unsere Region. Eine weiße Taube auf blauem Grund ist ihr Zeichen, kürzlich zu sehen etwa auf Gegendemonstrationen zur Münchner Sicherheitskonferenz. Wer gestern Abend den Salitersaal betrat, entdeckte an der Vortragswand jedoch als erstes die russischen Nationalfarben – als demonstratives Symbol und Friedenszeichen adressiert an Russland, jenes Land, das die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands möglich gemacht und alle Soldaten und Waffen aus den Ostblockländern abgezogen hat.

Die Kirchanschöringerin Alexandra Poller hatte zur Bildung der Regionalgruppe Südost der Friedensbewegung aufgerufen: „Ich will in einer Welt leben, in der Konflikte friedlich gelöst werden“, sagte sie in ihrer Begrüßung. Gegenüber gradraus erklärt die Hausfrau, Imkerin und verheiratete Mutter von drei Kindern ihre Motivation: „Mit den Kindern fing ich an, mich kritisch zu informieren, zuerst über unser Gesundheitssystem, dann über Ernährung. Bedingt durch das Leben auf dem Lande und unsere Naturbezogenheit kam die Imkerei als Hobby dazu. Wir Imker müssen uns, das Wohl der Bienen im Auge, Gedanken über Blühflächen, Ackergifte, Monokulturen und Ökologie machen. Und Ökologie greift weit. Da ist man schnell tief drin in der Geopolitik, im Geld Thema und logisch daraus folgend dem Frieden.“

„Gedanken, die mit Taubenfüßen kommen, lenken die Welt“ (Friedrich Nietzsche)

Die Gemeinde Kirchanschöring hat Alexandra Poller für diesen Abend den Veranstaltungsraum mit Beamer und Lautsprecheranlage kostenlos zur Verfügung gestellt. Yogalehrerin Hilla Richards sprach einleitende Worte und ein Gebet. Anschließend wurde ein Vortrag des Historikers und Experten für verdeckte Kriegsführung Daniele Ganser auf Leinwand übertragen. Von dem Schweizer erschien kürzlich das Buch „Illegale Kriege. Wie die NATO-Länder die UNO sabotieren. Eine Chronik von Kuba bis Syrien“. Es erinnert daran, dass die Charta der Vereinten Nationen Kriege verbietet und zeigt anhand von Beispielen, wie dieses Verbot von den Staaten der NATO missachtet wird.

Die USA kontrollieren die NATO und haben das Sagen, alle anderen dürften mitmachen, so Ganser. In dem Vortrag ging es um den Regime-Change in der Ukraine im Jahr 2014, der ein „vom Westen gesponserter Putsch“ (so der frühere CIA-Analyst Raymond McGovern) gewesen sei. Das „Imperium“ USA betreibe zur Ausdehnung seiner wirtschaftlichen und militärischen Macht die NATO-Osterweiterung und dabei auch den Beitritt der Ukraine, um dem russischen Feind auf den Leib zu rücken. Die USA wolle ein Bündnis zwischen Deutschland und Russland verhindern und habe im Gegenteil Interesse, einen Krieg zwischen beiden Ländern zu entfachen, erläutert Ganser unter Berufung auf Äußerungen des amerikanischen Strategen George Friedman. Die Mainstream-Medien in Deutschland machten es sich zu einfach, wenn sie Putin zum Feind und „bösen Mann“ erklären statt vertieft zu berichten und zu diskutieren, dass Obama es war, der den ukrainischen Präsidenten Janukowisch gestürzt habe, wie es durchaus auch von Amerikanern zugegeben werde. Wir alle seien gefordert, Medienkompetenz zu entwickeln, uns Informationen aktiv zu suchen und einen differenzierten Blick zu erlangen. Der Vortrag Gansers ist in voller Länge (1 Stunde und 50 Minuten) im Internet:

Friedensbewegung: Deutschland raus aus der NATO

Für viele Menschen hat die NATO ihre Glaubwürdigkeit verloren. In einem Grundsatzpapier der deutschen Friedensbewegung heißt es: „Krieg ist erneut zum dominierenden geostrategischen Element in den internationalen Beziehungen geworden. Und 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkrieges eskaliert diese Entwicklung weiter.“ Die Friedensbewegung ruft „das antifaschistische, humanistische, demokratische Deutschland“ auf, unter anderem für die folgenden friedenspolitischen Forderungen gemeinsam einzustehen:

• Raus aus der NATO und Abzug aller US-Truppen und Geheimdiensteinrichtungen aus Deutschland und Europa

• Stopp deutscher Kriegsbeteiligung und Verbot von Rüstungsexporten. Abzug aller deutschen Soldaten und militärischer Infrastruktur aus Auslandseinsätzen; Kriegswaffen und sonstige Rüstungsgüter sollen grundsätzlich nicht exportiert werden

• Kein Drohnenkrieg von deutschem Boden. Der von Ramstein aus koordinierte US-Drohnenkrieg ist völkerrechtswidrig und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit

• Keine Atomwaffen in Deutschland. Rund 80 Prozent der Bürger sprechen sich in Umfragen gegen Atomwaffen aus, dennoch sind im rheinland-pfälzischen Büchel US-Atomwaffen stationiert, stellt die BRD Flugzeuge und Piloten für den Einsatz zur Verfügung und die BRD beteiligt sich an der Nuklearen Planungsgruppe der NATO

• Keine Ermächtigungsgesetze wie TTIP und Co. Das sog. „Freihandelsabkommen“ TTIP und ähnliche Rechtsnormen bedeuten die Entmachtung demokratischer Strukturen und Institutionen und dienen der Festigung des uneingeschränkten Machtanspruchs des globalen Imperialismus

• Stopp der Totalüberwachung. Privatsphäre und das informationelle Selbstbestimmungsrecht sind demokratische Grundrechte, daher soll die flächendeckende Überwachung aller Bürger und deren Kommunikation eingestellt und als Straftat verfolgt werden

Die Friedensbewegung organisiert regelmäßig Demonstrationen für den Frieden. Nähere Informationen unter www.friedensbewegung.info

Alexandra Poller resümierte am Ende des Abends: Es geht nicht um die Gründung eines Vereins mit Satzung und Mitgliedsbeitrag. Die Friedensbewegung Südost richtet vielmehr für Interessierte einen offenen Mail-Verteiler ein, der der gegenseitigen Information dient und auf Veranstaltungen hinweist, wie etwa auf den Ostermarsch in Traunstein, das FRIEDENSTÖNEN im Marienheilgarten Großgmain am Untersberg am 8. April um 15 Uhr oder auf die Hambacher Friedenspilgerreise im Mai, bei der man sich am 21. Mai rund um den Chiemsee sammelt (mehr dazu unter www.friedensweg.org )

Diesen Beitrag drucken Diesen Beitrag drucken

Autor:
Datum: Donnerstag, 6. April 2017 12:11
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: ! Aktuell !, Bürgerinitiativen, Frieden, Kirchanschöring

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren.
Pingen ist momentan nicht möglich.

Kommentar abgeben


Ihr Kommentar:

Hier finden Sie kommunalpolitische Nachrichten aus den Landkreis-Gemeinden, Ankündigungen, Tagesordnungspunkte, Berichte von Gemeinderatssitzungen und ähnliches …

weiterlesen >>>

LK TS für Flyout