gradraus

Eine Alternative zum System Straße:
Regionale StadtBahn (RSB)

Königssee. Foto: Robert Csanyi/PIXELIO

Freilassing. Vom Königssee zum Wolfgangsee mit der Bahn im Fünfzehn-Minutentakt – so sieht eine Vision von Befürwortern des Ausbaus des Bahnverkehrs in der Region aus. Und zwar ohne die Beteiligung der Kolosse Deutsche Bundesbahn und ÖBB. Die Gemeinden in Salzburg, Bayern und Oberösterreich in einem Umkreis von 50 Kilometern um Salzburg sollen das ehrgeizige Projekt „Regionale Stadtbahn“ (RSB) stemmen.

Um das Konzept bei den politischen Mandatsträgern bekannt zu machen, bereisen die Initiatoren, Thalgaus Bürgermeister Martin Greisberger und der Salzburger Gottfried Mayer, derzeit die bayerischen Gemeinden. Im Freilassinger Rathaussaal stellten sie es den Bürgermeistern und Räten von Freilassing, Ainring, Saaldorf-Surheim, Teisendorf und Laufen vor.

Engmaschiges Bahnnetz geplant

Sie planen ein engmaschiges Bahnnetz für sechs Regionen mit Zügen, die in der Stadt als Straßenbahn mit vielen Haltestellen fahren und außerhalb als Eisenbahn bis zu 100 Kilometer schnell sind. Ihre Idee ist nicht aus der Luft gegriffen: In den Regionen um Karlsruhe funktioniert ein ähnliches öffentliches System, getragen von den Gemeinden, seit 15 Jahren.

Es arbeite kostendeckend, sagte Gottfried Mayer, und die Passagierzahl habe sich vervielfacht. Die Karlsruher seien ganz begeistert von ihrer regionalen Stadtbahn. Seit drei Jahren arbeiten die Initiatoren an dem Projekt. Sie haben einen Verein gegründet, dem mittlerweile 15 österreichische Gemeinden angehören, und wollen jetzt die Bayern ins Boot holen. Vor einem Jahr haben sie ihren Plan mit den Grundlagen für eine Machbarkeitsstudie dem Berchtesgadener Landrat Georg Grabner vorgestellt und ein offenes Ohr gefunden. Derzeit liegen ihre Pläne im Wiener Verkehrsministerium. „Auch der Freistaat Bayern hat Zustimmung signalisiert“, teilen sie mit.

Staus vermeiden durch ÖPNV

Der Auslöser für ihr Engagement ist der zunehmende Individualverkehr mit allen Problemen, die er mit sich bringt: Staus, Luftverschmutzung, Lärm, verlorene Zeit. „Wir brauchen eine Alternative zum System Straße“, meinen sie, denn auch der Busverkehr bringe keine Lösung des Problems, da die Busse ja auch im Stau stehen. Hautnah erlebten das die Freilassinger, die am frühen Abend mit der Linie 24 nach Salzburg fahren wollen. Nicht selten fällt ein Bus aus, weil er nicht vorankommt.

Seit Martin Greisberger im Jahr 2004 zum Bürgermeister von Thalgau gewählt wurde, hat er immer deutlicher festgestellt, dass mit dem Nahverkehr vieles nicht stimmt und dass etwas geändert werden muss. Und zwar ausgehend von den unteren Ebenen, den Gemeinden. „Die müssen sich bündeln, und dann kann man Druck machen nach oben“. Ein Gesamtkonzept sei wichtig, ein mittel- bis langfristiges Konzept, das weit über die nächste Wahlperiode hinausreiche. Und das grenzüberschreitend alle Gemeinden der Region mit einbeziehe. 20 bis 25 Jahre könnte die Umsetzung schon dauern, meinte Greisberger, aber angesichts der Tatsache, dass nach den Prognosen der Individualverkehr in Salzburg in den nächsten 15 Jahren um 33 Prozent zunimmt, sei es jetzt höchste Zeit zu handeln.

Vorbild ist die Schweiz
Im Umkreis von 50 Kilometern um Salzburg leben 1,6 Millionen Menschen. Sie alle könnten von einem neuen Verkehrssystem, der „Regional Stadtbahn“ (RSB) profitieren. Sie würden es aber nur annehmen, wenn das Angebot stimme, meinen Greisberger und Mayer. Als Beispiel nannten sie die Schweiz, wo der öffentliche Verkehr wegen des vorzüglichen Angebots – etwa der Anbindung auch der kleinsten Gemeinde auch im hintersten Tal – große Akzeptanz genieße. „Die Bahn muss zum Kunden kommen“, sei die Devise, nach der die RSB geplant werden müsse.

Zum Konzept gehören die Salzburger Lokalbahn, eine neue Ischler Bahn und die S-Bahn. Bei der Errichtung eines neuen Verkehrssystems müsse auf jeden Fall eine Basisverkehrsregel umgesetzt werden, erklären die Initiatoren: Schiene in Längsrichtung, Bus als Querverbindung. Nur dann könne der Bus seine Funktion voll erfüllen, keinesfalls in Parallelrichtung zur Bahn.

Die Bevölkerung muss miteinbezogen werden
Unter Zeitdruck steht das Projekt nicht nur wegen des drohenden Verkehrskollapses, sondern auch wegen der benötigten Fläche. Jetzt sei eine Trassenreservierung noch möglich, aber von Jahr zu Jahr werde mehr zugebaut, sodass immer weniger Fläche zur Verfügung stehe, erklärten Mayer und Greisberger und hatten auch ein Fotobeispiel aus dem Berchtesgadener Land parat. Die Grenzüberschreitung des Projektes, das heißt, die Teilnahme von bayerischen Gemeinden, ermögliche auch eine Mitfinanzierung der Machbarkeitsstudie durch Mittel der Europäischen Union. Die Kosten für das Gesamtprojekt beziffern die Initiatoren mit 700 bis 900 Millionen Euro, ohne Grundstückskosten. Entscheidend sei, dass die Bevölkerung dabei mitgenommen werde, dass man mit den Menschen diskutiere. Wie es nicht funktioniere, zeige das Beispiel Stuttgart 21 an.
Der Individualverkehr muss reduziert werden

Bürgermeister Josef Flatscher bezeichnete das Verkehrsprojekt als „spannend“, vor allem angesichts der zuweilen chaotischen Verkehrsverhältnisse in der Region. Da der Individualverkehr noch zunehme, müsse man etwas dagegen unternehmen. Bürgermeister Hans Eschlberger aus Ainring zeigte sich ebenfalles angetan von dem Projekt und meinte, dass man es schon im Flächennutzungsplan berücksichtigen sollte.

Zum Schluss luden Martin Greisberger und Gottfried Mayer die anwesenden Mandatsträger ein, gemeinsam mit Landrat Georg Grabner eine Exkursion nach Karlsruhe zu unternehmen, um sich an Ort und Stelle ein Bild von einem funktionierenden und voll akzeptierten Regional-Bahn-Verkehrssystem zu machen.

Susanne Wünsche-Reitter
Aktuelle Ergänzung: Landrat Grabner (BGL)  hat mitgeteilt, dass er an dem Projekt teilnehmen will.
Diesen Beitrag drucken Diesen Beitrag drucken
Tags »

Autor:
Datum: Dienstag, 21. Dezember 2010 2:36
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: ! Aktuell !, ÖPNV: Öffentl. Personennahverkehr, Verkehr

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren.
Pingen ist momentan nicht möglich.

Kommentar abgeben


Ihr Kommentar:

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessern. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.