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Kein Sommereis in Inzell: Entscheidung auf Grundlage „alternativer Fakten“?

Blick auf Inzell. Foto: gradraus

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Mitte Januar hat der Gemeinderat auf Anraten der Eishallenleitung und des Bürgermeisters entschieden, im Sommer 2017 kein Eis auf der Inzeller 400-Meter-Bahn zu bereiten. Zur Begründung hieß es, die deutsche Eisschnelllaufgemeinschaft DESG könnte Inzell künftig bei der Vergabe von Veranstaltungen und Fördergelder benachteiligen, wenn die Gemeinde sich nicht an die vertragliche Absprache zur turnusmäßigen Eisbereitung mit Berlin und Erfurt hält. Doch es stellt sich die Frage: Stimmt das wirklich?

Es hieß, nur jedes dritte Jahr dürfe Inzell Sommereis auf der 400-Meter-Bahn anbieten und 2017 daher nicht. »Dies war eine klare Entscheidung des Verbands und wir werden dadurch auf eine Vereisung der 400-Meter-Bahn im Sommer verzichten müssen, um künftig den Zuschuss nicht zu gefährden«, hatte Inzells Bürgermeister Hans Egger laut Traunsteiner Tagblatt erklärt.

Dank Informationsfreiheitssatzung können Bürger im Rathaus Auskunft verlangen und Akteneinsicht nehmen

Nach Rückfragen bei der Gemeindeverwaltung Inzell unter Bezugnahme auf die Informationsfreiheitssatzung und mit der Bitte um Übersendung der schriftlichen Vereinbarungen zur Sommereisbereitung verstärkt sich der Eindruck, dass der Gemeinderat seine Entscheidung gegen das Sommereis auf der Grundlage sogenannter „alternativer Fakten“ getroffen hat. Denn es stellte sich heraus:

1) Es existiert keinerlei schriftliche Vereinbarung, die festlegt, in welchem Jahr welcher Standort Sommereis machen darf und dafür einen finanziellen Zuschuss erhält; es gibt nur „mündliche Absprachen, dass [zwischen den drei Eisbahnen Berlin, Erfurt und Inzell] abgewechselt werden soll“.

2) Der Zuschuss für das Sommereis, der laut Bürgermeister gefährdet wäre, falls Inzell auch 2017 Sommereis machen würde, wird gar nicht vom Verband DESG finanziert und ausbezahlt, sondern vom Olympiastützpunkt. Dabei handelt es sich um eine Organisation des Bundesinnenministeriums, welche die betroffenen Sportstätten aus Steuergeldern mitfinanziert. Sie zahlt den Kostenzuschuss von maximal 32.000 Euro direkt an die Kommune.

Fazit: Der Verband DESG bleibt in seinem eigenem Finanzhaushalt durch die Sommereisbereitung gänzlich unbelastet – egal ob Berlin, Erfurt oder die Gemeinde Inzell Sommereis anbietet.

Es stellt sich daher die Frage: Aus welchem Grund könnte die DESG etwas dagegen haben, wenn Inzell neben Berlin oder Erfurt auf eigene Kosten zusätzlich Sommereis anbietet? Warum sollte die DESG Inzell bei der Vergabe von Großveranstaltungen benachteiligen, wie vom Bürgermeister befürchtet? Ist es denn nicht im Gegenteil im Interesse der DESG wie auch generell im Interesse des gesamten Eisschnelllaufsports, wenn die kommunalen Träger so lange wie möglich die Eishallen geöffnet halten und den Sportlern zusätzliche Trainingsmöglichkeiten eröffnen?

Die DESG ist ein steuerbegünstigter gemeinnütziger Verein und kann sich satzungsgemäß nicht erlauben, eissportfördernde Maßnahmen zu unterdrücken.

Die DESG hat nirgendwo verlauten lassen, dass Nachteile drohen, wenn die Gemeinde Inzell Sommereis macht

Zudem könnte sich Inzell einen Vergabemodus ausbedingen, der unsere Gemeinde öfter als die Städte Berlin und Erfurt bei der Förderung des Sommereises berücksichtigt. Dies hätte seine Berechtigung, nicht zuletzt weil Inzell die kleinste Kommune ist und hier die Eishallenbetreibung im Gemeindehaushalt prozentual einen wesentlich höheren Kostenfaktor darstellt als die gleichen Kosten im Haushalt der (hochverschuldeten) Stadt Berlin oder in Erfurt.

Eishallenleitung und Gemeinde unternehmen jedoch seit Eröffnung der Eishalle und Einführung der Sommereisbereitung nichts, um den Status für Inzell zu verbessern. Statt dessen wird ein Risikoszenario zelebriert und auf Verdacht postuliert, man würde von der DESG „bestraft“ werden, wenn man auf eigene Kosten Sommereis anbietet.

Die DESG hat indes weder öffentlich noch einem Schreiben an die Gemeinde verlauten lassen, dass es zu irgendwelchen Benachteiligungen kommen würde, falls Inzell auf eigene Kosten Sommereis anbietet. Weshalb sich also die Gemeinde- und Stadionverwaltung in dieser Angelegenheit so verhalten wie sie es tun und immer wieder die „Angstkeule“ DESG auspacken, bleibt daher ein Rätsel. Nicht nur, dass keine schriftlichen Verträge vorliegen; es existieren bei der Gemeinde angeblich noch nicht einmal Protokolle über die geführten Gespräche.

Um weiter Licht ins Dunkel zu bringen und die Situation für Inzell zu verbessern, sollten die Bürgerinnen und Bürger daher nicht nachlassen, der Gemeinde weitere Fragen zu stellen.

Klaus Gräbeldinger

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Datum: Samstag, 11. Februar 2017 9:35
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