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Wem gehört die Welt ? (Teil 1) – Blackrock

Quarter US

Foto: gradraus

Bei der Finanzkrise 2007 gab die deutsche Regierung – mit Zustimmung des Parlaments – innerhalb von einer Woche den Banken 500 Milliarden Euro, um sie vor dem Bankrott zu retten. Die Schulden des Bundes erhöhten sich dadurch auf zwei Billionen Euro. Unter Präsident George W. Bush verdoppelten sich die Schulden der USA von 5 auf 10 Billionen, unter Obama auf 20 Billionen Dollar. Letzterer nahm also 10 Billionen von den Steuerzahlern und gab sie – ja, an wen? Die Schulden des Staates stiegen und gleichzeitig wurden bestimmte Menschen dadurch schwerreich – Finanzinvestoren, die kaum einer kennt.

Finanzinvestoren sind eigentlich Spekulanten. Das größte Finanzimperium heißt „Blackrock“, gegründet wurde der „Schwarze Fels“ von dem Amerikaner Laurence Fink. Er verfügt über mehr als vier Billionen Dollar – das Zehnfache des Haushaltes der Bundesrepublik – und regiert damit die Welt, wie der Focus 2015 formulierte. Finks Imperium hat sich in zahlreiche deutsche Aktienunternehmen eingekauft und ist der größte Einzelaktionär zum Beispiel von BASF, Daimler, Lufthansa und Deutscher Bank.

In seinem Aufsatz „Blackrock-Kapitalismus – Das neue transatlantische Finanzkarussel“ erklärt der Journalist Werner Rügemer (in Blätter für deutsche und internationale Politik 10/2016 Seite 75 – 83), wie das Geschäftsmodell funktioniert: „ Gründer Laurence Fink gilt als Initiator jener … von den Banken weiterverkauften, gebündelten Immobilienkrediten … Das verwaltete Vermögen von Blackrock schnellte in dieser Zeit rapide in die Höhe – von etwa 300 Milliarden US-Dollar im Jahr 2004 auf 1,3 Billionen im Jahre 2008. … Die US-Regierung unter Präsident Barack Obama beauftragte Blackrock damals, bankrotte Banken und Versicherungskonzerne mit Steuergeldern zu retten … In den zwei Jahren bis 2009 schnellte das von Blackrock verwaltete Vermögen auf 3,3 Billionen hoch. Inzwischen, im Jahr 2016, beträgt es bereits 4,9 Billionen.“

Rügemer führt weiter aus: „Blackrock operiert hochgradig vernetzt: So ist Blackrock heute etwa Großaktionär in allen deutschen DAX-Konzernen, in mehreren sogar Hauptaktionär. Im Jahr 2012 war Blackrock gleichzeitig Großaktionär in 282 der 300 größten westlichen Kapitalgesellschaften.“
Dies heißt auf gut Deutsch: Deutsche Konzerne befinden sich größtenteils im Besitz amerikanischer Finanzinvestoren wie Laurence Fink. Die Anteilseigner bleiben anonym – es sind Unternehmensclans, Versicherungen, Unternehmensstiftungen, Pensionskassen, Staatsfonds, Banken.

Wem gehören die „deutschen“ Konzerne?

Der weltweit größte Vermögensverwalter macht Gewinne aus Übernahmen und Fusionen, vor kurzem mit Monsanto und Bayer: Der größte Aktionär von Bayer ist Blackrock, und er ist zugleich auch Großaktionär bei Monsanto. Mit dem Zusammenschluss entsteht der weltweit größte Agrochemie-Konzern – mit Blackrock als Hauptaktionär. Die Übernahme wurde „von den Großaktionären angeschoben, die in beiden Konzernen dieselben sind. So sind, in dieser Reihenfolge, die größten Aktionäre von Bayer: Blackrock, Sun Life Financial, Capital World, Vanguard und die Deutsche Bank. Zu den größten Aktionären von Monsanto gehören … : Capital World, Vangurad, Blackrock, State Street, Fidelity und Sun Life Financial. Was für eine schöne Koinzidenz! Und da Blackrock gleichzeitig auch größter Aktionär des Bayer-Miteigentümers Deutsche Bank ist, intensiviert sich die Kapital- und Machtverdichtung bei Blackrock in Wirklichkeit sogar noch“, so Rügemer.

Bei diesen Fusionen ergeben sich weitere Gewinnquellen aus Beraterhonoraren, Kreditvermittlungen, Verkauf von Unternehmensteilen, Tochterunternehmen, Beteiligungen, Patenten, Grundstücken und so weiter. Neben offenen Geschäften operierten Finanzinvestoren auch noch anonym und geheim in einem nichtöfffentlichen, außerbörslichen Parallelsystem für Aktien und Wertpapiere.

„Um seine Interessen durchzusetzen, nimmt Blackrock direkt massiven Einfluß auf die Politik. Firmengründer Fink setzt dabei in den USA auf die Demokraten. …Unter Clinton wurde die als Folge der Weltwirtschaftskrise 1929 vorgenommenen Trennung von Investment- und Kundenbanken wieder aufgehoben, und die Bedingungen für die Vergabe von Krediten … wesentlich gelockert,“ schreibt Rügemer S. 81, und weiter: 2013 wurde „die Stabschefin der damaligen Außenministerin Hillary Clinton, Meryll Mills, Mitglied im Blackrock-Aufsichtsrat. Und auch einige Mitglieder der Administration von Barack Obama wechselten zu Blackrock.“ Dies mag dazu beigetragen haben, dass Hillary Clinton nicht zur Präsidentin gewählt wurde.

Der transatlantische Finanzinvestor Blackrock dominiert die europäische Union, wie die Freihandelsverträge zu TTIP und CETA zeigen. Es entsteht eine Finanzwelt, bei der Konzerne größer und mächtiger als kleine und mittlere Staaten sind. Sie entziehen sich der demokratischen Kontrolle.

Übrigens: Vorsitzender des Aufsichtsrates beim deutschen Ableger des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock ist der frühere CDU-Politiker Friedrich Merz. Seit einem Jahr ist Merz Chefkontrolleur der in München ansässigen Blackrock Asset Management Deutschland AG. Seine Aufgabe ist es, „die Beziehungen mit wesentlichen Kunden, Regulierern und Regierungsbehörden in Deutschland für Blackrock [zu] fördern“, wie das manager magazin unter Berufung auf Unternehmensangaben schreibt.

Anmerkung: „Wem gehört die Welt “ ist der Titel eines neu erschienen Buches von Hans-Jürgen Jakobs aus dem Knaus Verlag. Untertitel: „Die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus“.

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Datum: Dienstag, 31. Januar 2017 9:27
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