gradraus

Offener Brief zum Alfred Jodl-Gedenken auf der Fraueninsel

Fraueninsel © gradraus

Kirche und Friedhof auf der Fraueninsel © gradraus

Alfred Jodl wurde im Nürnberger Prozess 1946 als Hauptkriegsverbrecher zum Tode verurteilt und hingerichtet. Auf der Fraueninsel befindet sich ein Grab der Familie mit dem Namen Alfred Jodls, der dort allerdings nicht bestattet ist. Gegen das Denkmal (Grabkreuz) protestiert seit Jahren der Münchner Aktionskünstler Wolfram Kastner vehement. Laut Pressebericht der Lokalzeitung hat das Landgericht München ihm nun untersagt, die Grabstelle zu betreten, Schilder anzubringen, Buchstaben zu entfernen oder es mit Farbe zu bemalen. Am 2. Februar soll es in München zur Verhandlung kommen. Die Friedensinitiative Traunstein-Traunreut-Trostberg hat einen Offenen Brief zur Unterstützung Kastners an Richterin Christina Wand vom Amtsgericht Rosenheim und an Richter Uwe Habereder vom Landgericht München I verfasst. Gradraus veröffentlicht den Brief hier im Wortlaut. 

Sehr geehrte Frau Richterin Wand, sehr geehrter Herr Richter Habereder, sehr geehrte Damen und Herren,

mit Entsetzen haben wir erfahren, dass gegen den Aktionskünstler Wolfram Kastner vom Amtsgericht Rosenheim ein Strafbefehl über 10.500 Euro erlassen wurde. Grund dafür sollen Diebstahl, Nötigung und Sachbeschädigung am Denkmal des NS-Generals und Kriegsverbrechers Alfred Jodl auf der Fraueninsel sein. Zudem erließ das Landgericht München I gegen W. Kastner eine einstweilige Verfügung unter Androhung eines Ordnungsgeldes von bis zu 250.000 Euro oder einer Haft von bis zu 6 Monaten.

Alfred Jodl wurde nach dem zweiten Weltkrieg zum Tode verurteilt. Seine Asche wurde in die Isar gestreut. Im Friedhof der Fraueninsel steht ein Steinkreuz mit seinem Namen zwischen den Gräbern seiner Schwester und seiner Ehefrau. Dieses Steinkreuz ist eine Attraktion für Faschisten und eine Pilgerstätte für die NPD. Die Existenz eines Denkmals für einen Nazi-Kriegsverbrecher ist eine Provokation für jeden demokratischen Bürger unseres Landes. Ein Land, das in der NS-Diktatur und dem zweiten Weltkrieg so sehr gelitten hat und verantwortlich für das Leid anderer Völker war. Dass nun ein Künstler von der Justiz belangt wird, weil er auf diesen skandalösen Zustand hingewiesen hat, ist für uns demokratische Bürger ein Schlag ins Gesicht.

Dabei geht es uns nicht in erster Linie darum, ob der Stil des Künstlers Kastner von jedem als geschmackvoll und angemessen empfunden wird. Wichtig ist für uns, dass die demokratische und freiheitliche Grundordnung unseres Landes von jeder und jedem respektiert wird. Als mündige und demokratische Bürgerinnen und Bürger erwarten wir, dass das Denkmal des NS-Kriegsverbrechers Jodl entfernt wird. Wir erwarten auch, dass Wolfram Kastner und seine Unterstützerinnen und Unterstützer in dieser Sache nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden.

Mit freundlichen Grüßen,

Friedensinitiative Traunstein-Traunreut-Trostberg
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten – Kreisverband Traunstein
Die Linke. Kreisverband Traunstein
Z – Linkes Zentrum in Selbstverwaltung, Rosenheim

Diesen Beitrag drucken Diesen Beitrag drucken

Autor:
Datum: Sonntag, 29. Januar 2017 23:04
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: ! Aktuell !, Kultur - Kultur - Kultur, Landkreis Traunstein, Tourismus

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren.
Pingen ist momentan nicht möglich.

2 Kommentare

  1. 1

    Bernd Passer

    Das Thema der Aktionen von Herrn Kastner gegen die Namensnennung A. Jodls auf dem Grabmal seiner Familienangehörigen beschäftigt Behörden und Gerichte seit langem.

    Die Meinung von Herrn Kastner, die Ablehnung der Namensnennung des hier nicht beerdigten A. Jodl auf dem Gedenkstein abzulehnen und öffentlich äußern zu dürfen, ist durch das Grundgesetz geschützt.

    Für Sachbeschädigung, und um die handelt es sich bei Übermalung und Entfernung einzelner Buchstaben oder ganzer Namen, kann nicht mehr die Meinungsfreiheit in Anspruch genommen werden. Rechtlich ist diese Form des Protestes mit Grafitti oder der Beschriftung mit politischen oder sonstigen Parolen gleichzusetzen und dies ist rechtlich sanktionsbewehrt.

    Der demokratische Rechtsstaat BRD schützt seine Bürger, auch Herrn Kastner und auch die Zeichner des Unterstützerschreibens an das Gericht, gegen Übergriffe. Herr Kastner muss sich überlegen, mit welcher anderen, rechtlich zulässigen Form seines Protests er die Aktion gegen den Verbrecher Jodl fortführen kann.

    Nicht zuletzt erfüllt die Beschädigung des Grabmals der Familienangehörigen auch die Tatbestände der Störung der Totenruhe.

  2. 2

    Münster Frauenwörth ist das älteste christliche Kulturdenkmal unserer Region. Jodls Name zentral auf dem Friedhofskreuz ist ein Denkmal. Mit seinen Aktionen stellt der Künstler Wolfram Kastner öffentlich die Frage: Ist es korrekt, dass bayerische Behörden seit Jahrzehnten auf dem Fraueninsel-Friedhof die Erinnerung an einen Kriegsverbrecher gestatten, ohne den Hinweis zu geben, wer er war und dass er gar nicht in diesem Grabe liegt.

Kommentar abgeben


Ihr Kommentar:

Hier finden Sie kommunalpolitische Nachrichten aus den Landkreis-Gemeinden, Ankündigungen, Tagesordnungspunkte, Berichte von Gemeinderatssitzungen und ähnliches …

weiterlesen >>>

LK TS für Flyout