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Gemeinderat Inzell entscheidet gegen Sommereis 2017 auf der Eisschnellaufbahn

Max-Aicher-Arena Inzell. Foto: KG

Max-Aicher-Arena Inzell. Foto: KG

„In diesem Jahr wird es in der Inzeller Max Aicher Arena kein Sommereis geben – Berlin ist an der Reihe.“ Man musste sich schon mal die Augen reiben, als man diese Pressemitteilung bereits am Montag Nachmittag auf der Webseite der Bayernwelle zu lesen bekam, obwohl doch der Gemeinderat erst am Abend die Entscheidung darüber zu treffen hatte. Da stellt sich einem schon die Frage, welche Rolle spielen hier eigentlich noch die Ratsmitglieder, sind sie nur dazu da Vorgaben der Stadionverwaltung abzunicken?

Es kam in der Ratssitzung so, wie es anscheinend kommen musste – und genau so, wie die Inzeller Bürger es befürchtet haben: Die Stadionverwaltung hat vorgegeben, was zu tun ist und die Gemeinderäte haben sich wieder mit den gleichen Argumenten abspeisen lassen, wie sie jedem Zuhörer noch aus der Sitzung vom September 2012 in den Ohren klingen. Damals ging es ebenfalls um die Frage, ob Inzell Sommereis machen soll, und der Gemeinderat entschied dagegen.

„Es ist leider so, wir sind machtlos und können nichts tun. Die Deutsche Eisschnelllaufgesemeinschaft DESG hat diese Entscheidung getroffen, Berlin ist dran !“

„Man muss dem Verband gegenüber sehr vorsichtig sein, weil die DESG erwartet, dass wir uns an die Absprache halten.“

„Es besteht die Gefahr, dass wir Fördergelder verlieren, wenn wir trotzdem Sommereis machen.“

„Die Hallenleitung hat alles versucht, aber leider… “

Eigentlich dürfte man nach Artikel 30 Abs. 3 der Bayerischen Gemeindeordnung von den Ratsmitgliedern als Vertreter der Bürger eine aktive Entscheidungsgestaltung und wache Kontrolle der Verwaltungsarbeit erwarten. Stattdessen richteten die Gemeinderäte – mit wenigen Ausnahmen – wie schon 2012 allgemeine Appelle an die Hallenleitung beziehungsweise an die Gemeindeverwaltung, künftig Vorarbeiten und Entscheidungsgrundlagen zu erarbeiten.

Wie hoch das Defizit eigentlich ist, bleibt intransparent

Angesichts solcher wiederkehrender Phrasen fragt man sich…

– Haben sich nach den Erfahrungen 2012 die Ratsmitglieder die Verträge und Vereinbarungen zur Prüfung alternativer Möglichkeiten vorlegen lassen?

– Haben die Räte sich eine detaillierte Planungsrechnung für das Sommereis erstellen lassen, damit für sie und für die Öffentlichkeit transparent wird: Wie hoch ist das Defizit denn überhaupt?

– Hat man sich von der Gemeindeverwaltung oder der touristischen Beteiligungsgesellschaft ITG die Auswirkungen des Sommereises auf Wirtschaftskraft und Übernachtungszahlen vorlegen lassen?

– Warum stellt man der Hallenleitung keine Fachleute zur Seite, die die Interessen der Kommune vertreten, wenn es um Vertragsverhandlungen mit der DESG und den Förderstellen des Innenministeriums geht?

– Hat man der Hallenleitung schon einmal empfohlen, sich um eine Beteiligung des Hallensponsors Max Aicher am Ausgleich des Sommereis-Defizites zu bemühen?

Wo bleibt das Positive?

Erstaunlich und unverständlich: In der Gemeinderatssitzung wurde mit keinem Wort erwähnt, was sich in den letzten Jahren im Sog und Umfeld des Sommereises an Positiven entwickelt hat. Zuhörer konnten sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die kleinen hoffnungsvollen Entwicklungsansätze, die sich nicht direkt in der Eishalle abspielen, völlig aus dem Focus geraten sind und bei der Entscheidungsabwägung keine Rolle mehr spielen.

Stattdessen verstummen – bis auf ganz wenige Ausnahmen – alle Entscheidungsträger, wenn jemand die DESG und ihre Vorgaben einmal berechtigterweise in Frage stellt. Anstatt zu diskutieren, welche grundsätzlichen Alternativen und Möglichkeiten zur Lockerung dieser Abhängigkeit es gäbe, stellt man ein Risikoszenario auf den Sockel und begnügt sich damit, über Nebensächlichkeiten zu sprechen. Schade eigentlich! Auf diese Art kann der Eisschnelllaufstandort Inzell nicht nachhaltig gesichert werden geschweige denn einen Impuls für die Ortsentwicklung leisten.

Von einem zukunftsträchtigen Hallenvermarktungskonzept scheint man heute in Inzell weiter entfernt als je zuvor.

Klaus Gräbeldinger

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Datum: Mittwoch, 25. Januar 2017 6:37
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