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Eiweißfutter aus der Region:
Wenig Aufwand, hoher Nutzen für die Landwirtschaft

Landwirt Christian Hubert bei der Begutachtung des Ackerbohnenfeldes in Eberding, Kirchanschöring. Foto: Hans Eder

Ackerbohnenfeld in Eberding, Kirchanschöring. Foto: Hans Eder

Bayern importiert 560.000 Tonnen Sojaschrot als Eiweißfutter für Rinder, Schweine und Hühner pro Jahr. Das Soja aus den Herkunftsländern Argentinien, Brasilien oder USA ist zumeist gentechnisch verändert. Eine echte Alternative: Anbau heimischer Eiweißfuttermittel wie Rotklee-Weißklee-Luzerne-Gemisch und Ackerbohnen. Bauern aus der Ökomodellregion Waginger See zeigen, wie es praktisch funktioniert.

Waging am See / Kirchanschöring. / Fridolfing. Eiweißfutter für das Vieh wird zwar in großen Mengen aus anderen Kontinenten importiert, was aber nach Meinung vieler auf Dauer keine nachhaltige Lösung für eine bodengebundene bayerische Landwirtschaft sein kann. Alternativen und Antworten für hiesige Betriebe zeigte die „Arbeitsgruppe regionales Eiweiß“ der Ökomodellregion unter Leitung von Franz Huber auf einer Felderbegehung in Kirchanschöring und Fridolfing auf. An die 50 Betriebsleiter, darunter auch etliche von Biobetrieben, zeigten großes Interesse an den vorgestellten Beispielen.

Huber, der einen Milchviehbetrieb in Fridolfing hat, erläuterte die Vorteile seines Rotklee-Weißklee-Luzerne-Gemisches. Diese Mischung, so sagte er, liefere mehr Eiweiß als Kleegras, sei damit ein sehr hochwertiges Eiweißfutter für das Milchvieh und wirke sich wegen der natürlichen Stickstoffsammlung durch die Pflanzen positiv auf die nachfolgende Frucht aus. Der Düngebedarf sei im Verhältnis zum sehr guten Ertrag bei drei bis vier Schnitten im Jahr gering, so Huber. Auf einem Viertel seiner Ackerfläche stehen kleehaltige Mischungen, damit verringere sich der Zukauf von Eiweißfutter, in diesem Fall Rapsschrot, für die Kühe beträchtlich.

Betriebe mit mehr als 15 Hektar Ackerfläche müssen als Voraussetzung für landwirtschaftliche Prämienzahlungen seit 2014 sogenannte „Greeningflächen“ nachweisen, die eine Art ökologische Ausgleichsfläche darstellen. Mit dem Anbau von reinem Eiweißfutter wie der Klee-Luzerne-Mischung in der Fruchtfolge kann der Betrieb diesen Nachweis auf einfache Art erbringen.

Alois Lohwieser, ehemaliger Pflanzenbauberater am Landwirtschaftsamt und Sprecher der Arbeitsgruppe „konventionelle Landwirtschaft in der Ökomodellregion“, erläuterte, dass der Anbau von Luzerne anders als früher auch in der Region Einzug gehalten habe, sofern der entsprechende Boden ausreichend basisch sei, also einen pH-Wert von mindestens 6 habe. Das Eiweißfutter sei hervorragend als Grünfutter geeignet, sollte aber, wenn es nicht frisch gefüttert, sondern einsiliert wird, mit weniger eiweißreichem Futter wie Grasschichten gemischt werden.

Ackerbohne. Foto: Hans Eder

Ackerbohne. Foto: Hans Eder

Einen sehr guten Ertrag liefern auch die Ackerbohnen von Christian Hubert, der seinen Milchviehbetrieb mit Ackerbau in Kirchanschöring führt. Anders als die kälteempfindlichen Sojabohnen, die meist erst im Mai angebaut werden, sind Ackerbohnen in der Region heimisch, werden Ende März gesät und bilden bis Juni bereits einen dichten Bestand. Hubert erläuterte, dass er am 22. März die Ackerbohnen gesät und weder gedüngt noch mit Pflanzenschutzmitteln behandelt habe. Ein gewisser Unkrautbesatz sei tolerierbar. Nach dem Drusch der Ackerbohnen soll der Acker im Winter begrünt und anschließend Mais angebaut werden. Die Winterzwischenfrucht und der nachfolgende Mais können von dem verbleibenden natürlichen Stickstoffvorrat, den die Bohnen im Boden zurücklassen, profitieren, dadurch könne die mineralische Stickstoffdüngung zum Mais um etwa 50 Kilogramm verringert werden. Ein weiterer Vorteil im Anbau von Leguminosen wie Ackerbohnen sei, dass der Boden durch die intensive Durchwurzelung eine sehr gute Bodengare und Struktur aufweise. Auch die Ackerbohnen zählen zur „Greeningfläche“.

Eindrucksvoll entwickelt hat sich auch das Gemenge aus Gerste, Hafer und Erbsen von Franz Roider aus Kirchanschöring. Dessen Anbau zählt zwar trotz der Eiweißlieferung durch die Erbsen nicht zu den Greening-Maßnahmen, aber Roider zeigte sich von den Vorteilen des Gemenges begeistert: Etwa 50 Doppelzentner Ertrag pro Hektar ohne jede Düngung und Pflanzenschutz habe das Gemenge im vergangenen Jahr geliefert. Hofeigener Weizen und Rapsschrot kommen zusätzlich in die sehr hochwertige Kraftfuttermischung, die er daraus herstellt. Durch den Anbau des Gemenges kann er den Zukauf von Rapsschrot verringern und auf den Zukauf von Soja vollständig verzichten. Das Dreschen des Gemenges war technisch kein Problem, die anfallende Streu dient als Einstreu oder sogar als Futter für das Jungvieh. Wegen des geringen Aufwands, der geringen Saatgutkosten und des vielfachen Nutzens baut Roider das Gemenge auf einem Fünftel seiner Ackerfläche an.

Wie Franz Huber schließlich zusammenfasste, sei der Anbau eines eiweißhaltigen Gemenges eine überlegenswerte Alternative zum Anbau von reinem Futtergetreide wie Weizen oder Gerste mit Zukauf von eiweißhaltigen Futtermitteln. Beim Anbau der Klee-Luzerne-Mischung bleibe der Boden auch im Winter begrünt, beim Anbau des Gemenges und der Ackerbohnen könne allerdings wegen der zeitigen Aussaat im Frühjahr vorher keine Zwischenfrucht angebaut werden. Die Winterbegrünung erfolgt nach der Ernte des Gemenges oder der Ackerbohnen und verwertet den freien restlichen Stickstoff, der somit nicht ausgewaschen wird.

In der Diskussion gab es Nachfragen zur Anbautechnik der vorgestellten Feldfrüchte und Anregungen zum Einsatz weiterer Gemenge wie Wintertriticale und Wintererbsen. Die landwirtschaftlichen Lehranstalten sollten zu heimischem Eiweißfutter verstärkt forschen, regte Alois Lohwieser an, und verwies auf heimische Wiesen als ebenfalls sehr wichtigen Eiweißlieferanten. Marlene Berger-Stöckl von der Ökomodellregion bedankte sich bei den beteiligten Landwirten und bei Franz Huber für die hervorragende Vorbereitung und Leitung der Exkursion.

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Datum: Dienstag, 5. Juli 2016 8:57
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