gradraus

Naturschützer setzen Zeichen für die freie Salzach

Plätte Hadwiga. Foto: Bayerischer Kanuverband

Plätte Hadwiga. Foto: Bayerischer Kanu-Verband

Zum vierten Mal in Folge trafen sich Naturschützer an der Salzach, um für den Erhalt der frei fließenden Salzach ein deutliches Zeichen zu setzen. Die Salzach ist der letzte Fluss nördlich der Alpen, der noch auf 60 Kilometer frei fließen kann. Im Freilassinger Becken sind nach neuesten Erkenntnissen keine weiteren Rampen oder Kraftwerke mehr nötig. Im Tittmoninger Becken gibt es jedoch weiter Überlegungen für den Bau von drei Wasserkraftwerken. Die Umweltverbände fordern dagegen die Umsetzung der „Naturflussvariante“. Flussbettaufweitung und Vernetzung von Fluss und Aue sind nach ihrer Ansicht der beste Schutz gegen Hochwasser.
Angesichts der verheerenden Verwüstungen in Simbach am Inn und den Sturzfluten der Bäche in Triftern, Tann und Umgebung ist das Anliegen der Umweltschützer aktueller denn je. Ein Umdenken im Gewässerschutz ist daher dringend erforderlich, so Erich Prechtl von der „Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach“ (ALS). In Zeiten des Klimawandels brauchen unsere Bäche und Flüsse Platz um ihre Wassermassen schadlos abfließen zu lassen.

Um die Öffentlichkeit auf die Problematik aufmerksam zu machen, trafen sich auch in diesem Jahr wieder eine stattliche Zahl von 80 Bootsfahrern an der Ablegestelle in Tittmoning. Die Organisation hatte wieder der Bayerische Kanu Verband (BKV) übernommen. Doch nicht nur Boote waren unterwegs. Für großes Aufsehen sorgte bei Presse, Funk und Fernsehen die Ankündigung vom Eisschwimmverein SerWus Burghausen, die Anliegen der Naturschützer zu unterstützen. Christoph Wandratsch, der mehrmalige Weltmeister und Julia Wittek, eine ebenfalls weltmeisterliche Extremschwimmerin, bewältigten die kompletten 16 Flusskilometer in der Salzach genauso schnell wie die Bootfahrer und Plätten. Große Unterstützung im Rahmen der Veranstaltung fand der Bayerische Kanu-Verband e.V. durch die Teilnahme von drei Booten der Wasserwacht Burghausen. Hierdurch war die Sicherheit der Teilnehmer in guten Händen. Hocherfreut waren der Veranstalter über die Begleitung der Freiwilligen Feuerwehr aus Hochburg/Ach, die den Tross mit zwei Motorzillen und einer traditionell nachgebauten Holz-Zille begleiteten.

Kundgebung im Rathaus Burghausen

Der 1. Bürgermeister der Stadt Burghausen und Schirmherr der Veranstaltung, Hans Steindl, begrüßte die Teilnehmer im voll besetzten Helmbrechtssaal. Bei seiner Rede sprach er sich ganz klar gegen eine Verbauung der Salzach aus. Gerade angesichts der Schäden, die im nicht weit entfernten Simbach kürzlich durch Hochwasser entstanden sind, plädierte er für eine Aufweitung des Salzach-Bettes wo irgend möglich. Auch wenn er als Stadtoberhaupt wirtschaftliches Interesse gegen Naturschutzinteressen abwägen muss, war sein Votum hier klar.

Weitere Prominente Vertreter der Umweltverbände traten für die freie Salzach ein. Der BKV-Präsident Oliver Bungers betonte, dass über 4000 Wasserkraftwerke in Bayern mehr als genug sind. Das Heil könne nicht im Bau immer neuer Anlagen mit der Zerstörung von noch mehr Flussabschnitte liegen, sondern in der Modernisierung der bestehenden. Das müsse auch die Politik endlich einsehen.

Sebastian Schönauer, stellvertretender Vorsitzender des Bund Naturschutz in Bayern, zeigte sich ebenfalls von der Politik enttäuscht. Er plädierte für die Renaturierung statt Verbauung der Fließgewässer. Breitwasser statt Hochwasser ist seit Jahren das Motto des Bund Naturschutz.

Erich Prechtl, Sprecher der Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach (ALS) für das Berchtesgadener Land erinnerte daran, dass bereits in den 1960er Jahren Kraftwerkspläne bestanden. Daher veranstalteten schon 1964 etwa 150 Kanuten die erste Protestfahrt auf der Salzach zwischen Freilassing und Burghausen. Kundgebungen für den Erhalt der freien Salzach haben daher schon über fünfzig Jahre Tradition. Die die aktuellen Hochwasserereignisse und die der letzten Jahre führten mehr als deutlich vor Augen: Wasser braucht seinen Platz, es lässt sich nicht komprimieren.

Dr. Norbert Schäffer, dem Vorsitzenden des Landesbundes für Vogelschutz e.V. zufolge beginnt Gewässerschutz nicht erst am Wasser, sondern bereits viel weiter oben. Wenn zum Beispiel kaum noch Gewässerrandstreifen unbebaut blieben, dann müsse man sich über die Folgen nicht wundern. Wenn die Menschen den Fluss wieder als Teil ihres Lebens wahrnehmen, den es zu schützen gilt, dann wäre bereits viel gewonnen.

Dr. Astrid Rössler, stellvertretende Landeshauptfrau des Landes Salzburgs, berichtete über die Fortschritte bei der Renaturierung der Salzach auf der österreichischen Seite. Der Ankauf von ersten 127 Hektar Auwald konnten über ein Europäische LIFE-Projekt finanziert werden. Wo nötig wird das Gebiet renaturiert und außer Nutzung gestellt. Erholung und Umweltbildung haben jedoch auch einen hohen Stellenwert bei diesem Projekt.

Einen Einblick in die Berliner Politik brachte Rita Hagl-Kehl, Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der parlamentarischen Gruppe „Frei fließende Flüsse“ im Bundestag. Sie führte aus, dass Deutschland schon lange durch verschiedenste EU-Auflagen zum Gewässerschutz verpflichtet sei. Diesen Pflichten komme man aber nicht nach, weshalb bereits heute Vertragsverletzungsverfahren in Gang gekommen sind. Deutschland wäre daher gut beraten, nicht nur an der Salzach seinen Verpflichtungen in punkto natur- und umweltverträglicher Sanierung baldmöglichst nachzukommen.

Das letzte Wort hatte Michael Seeholzer, Ehrenmitglied des Fischereiverbandes Oberbayern e.V. und bis vor kurzem viele Jahre geschäftsführender Vizepräsident des oberbayerischen Fischereiverbandes. Auch die Fischer fürchten mit jeder weiteren Verbauung mehr um die Naturlandschaft Fluss samt ihrer Fischfauna. Jede Renaturierungsmaßnahme sei auch eine Hochwasserschutzmaßnahme und der wirtschaftliche Ertrag von weiteren Wasserkraftwerken nichts sei im Vergleich zu den Schäden, die sie verursachen, betonte Seeholzer.

Der rege Besuch der Veranstaltung hat gezeigt, dass Kraftwerksbefürworter mit einer bestens vernetzten Naturschutzbewegen von beiderseits der Salzach rechnen müssen.

Pressemitteilung
„Für die Salzach als Naturfluss“

Bayerischer Kanu-Verband e.V.

Autor:
Datum: Dienstag, 14. Juni 2016 17:40
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: ! Aktuell !, Bürgerinitiativen, Klima, Landkreis Altötting, Landkreis Traunstein, Naturschutz, Salzach Sanierung, Salzachbrücken, Umweltbewusstsein

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren.
Pingen ist momentan nicht möglich.

Kommentar abgeben


Ihr Kommentar:

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessern. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.