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Greenpeace-Gruppe: Aufräumaktion am Chiemsee

Foto Greenpeace Chiemgau

Foto Greenpeace Chiemgau

Meeresschutz an Land – Plastikmüll gelangt über Seen und Flüsse ins Meer und auch in die Nahrungskette von Tieren und letztlich von uns Menschen. Greepeace Chiemgau war mit 15 Aktiven am „Bayerischen Meer“, dem Chiemsee,  unterwegs und hat einen ganzen Auto-Anhänger voll Plastik- und Sperrmüll eingesammelt.

„Mit 15 Greenpeacern haben wir den Strandabschnitt zwischen Gstadt und Chieming gesäubert. Zwei Münchner und vier Rosenheimer Greenpeace-Aktivisten sammelten teilweise sehr sperrigen Müll von Gstadt nach Seebruck und neun Greenpeace-Aktivisten von der Gruppe Chiemgau sammelten von Chieming Markstatt bis Seebruck. Am Sammelpunkt in Seebruck hatten wir dann unsere Müll-Beute ausgebreitet.

Auffällig war folgendes…

  • Sperrmüll kriminell am Seeufer „entsorgt“ gibt’s leider immer noch! Das ist ein Skandal. Beim nächsten Mal zeigen wir die Verschmutzer polizeilich an! Wir fanden ein Sammelsurium aus defekten alten Liegen, Monoblock-Stühlen, Autoreifen, Malerkübel, Ketten, Sonnenschirme und Bojen.
  • Unzählige Kleinplastikteile und Folienfetzen sind eine Gefahr für Vögel und Fische.
    Es war nicht möglich, auch nur zwei Meter sauberen Strand zu finden. Schutzringe von Getränkeflaschen, Bonbon-Papier, Zigarettenschachtelfolien, Zigarettenfilter, Lutscher-Steckerl aus Plastik, Einwegbecher, Einwegbesteck, Plastiktüten, Einweg-Kaffebecher samt Deckel,  PET-Flaschen, Schaumstoffe, Styropor, Nylonseile, Kronkorken, Sektkorken aus Plastik, Kunststoff-Strohhalme, Eisbecher aus Plastik, sowie Dosen und Glasflaschen. Und dann gab’s noch sehr viele Plastikkapperl von Feuerwerkskörpern.
  • Hundekot-Sackerl, die einfach liegen bleiben und dann verrotten (in den nächsten 200 Jahren)…
    Liebe Hundehalter: Entweder ihr entsorgt die Sackerl in die aufgestellten Mülltonnen oder nehmt den Müll selber mit. Die Bio-Variante ist, den Hunde abseits exkrementieren zu lassen und den Kot zu vergraben.
    Einige Vogelfreunde hatten wohl Meisenknödelsackerl aus Nylonnetz in die Sträucher gehängt. Leergefressen werden diese von Vögeln oft als Nistmaterial verwendet. Doch der kleine Nachwuchs verheddert sich in den reißfesten Nylonschnüren und stranguliert sich daran. Das ist definitiv falsch verstandene Vogelliebe und sollte unterlassen werden.
  • Nicht einsammeln konnten wir: Unzählige sehr kleine Plastikschnipsel müsste man mit hohem technischen Aufwand aus dem Ufersand sieben. Sicher steckt auch noch einiges unterhalb des für uns sichtbaren Bereichs und einiges ist sicher auch noch im See gelagert. Mikroplastik aus Peeling-Cremes und Zahnpasta, das die Kläranlagen nicht herausfiltern können, landet auch im See. Auch das konnten wir nicht herausholen. Technisch ist das auch gar nicht möglich.

Hintergrund:
An den Ufern vieler deutscher Seen und Flüsse häufen sich die Hinterlassenschaften gedankenloser Passanten und Naherholer – Verpackungsmüll, der die Landschaft verdreckt und zum Teil bis ins Meer gespült wird. Deshalb ruft Greenpeace deutschlandweit zur großen Müllsammelaktion auf, und etliche haben sich schon zum Helfen bereit erklärt: In 65 Städten, darunter auch die Gruppen München, Rosenheim und Chiemgau, packen Umweltaktivisten mit an, um ihren Wohnort ein wenig sauberer zu machen – und damit letzten Endes die Meere zu schützen.

Plastikmüll treibt in riesigen Müllstrudeln durch die Meere und sammelt sich selbst an entlegenen Stellen wie Tiefseegräben oder der Arktis. Der meiste Plastikabfall gelangt aus China, Indonesien und weiteren asiatischen Ländern ins Meer.

Doch auch Deutschland ist Teil des Problems: Deutsche verbrauchen mit Abstand das meiste Plastik in der EU – ein Viertel der Gesamtmenge. Laut offiziellen Angaben werden 57 Prozent des deutschen Plastikmülls verbrannt, 42 Prozent recycelt und nur ein Prozent deponiert. „Zwischen unserem Plastikverbrauch und dem Plastikmüll klafft eine verdächtige Lücke von rund vier Millionen Tonnen pro Jahr“, so Inge Halletz. „Wo landet dieses Plastik, wenn es nicht verbrannt oder recycelt wird? Bestimmt auch in der Umwelt, wo es zum Problem wird.“

Ozeane verkommen zum Plastikendlager

Bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikabfälle gelangen jedes Jahr weltweit alleine von Land aus ins Meer. Dort werden Plastikteile zur tödlichen Falle für viele Meereslebewesen wie Seevögel, Schildkröten oder Delfine: Diese verheddern sich darin und ertrinken – oder verwechseln sie mit Nahrung. Auch im Magen eines der kürzlich an der Nordseeküste gestrandeten Pottwale fanden Wissenschaftler ein Fischernetz. Plastik macht mittlerweile über die Hälfte des Mülls an den Stränden der Nord- und Ostsee aus.

Der Wellengang und die UV-Strahlung zerkleinern den schwimmenden Plastikmüll in mikroskopisch kleine Teilchen – sogenanntes Mikroplastik. Doch auch in Kosmetika steckt Mikroplastik in Form von winzigen Perlen oder Granulaten. Zu klein, um aus unseren Abwässern gefiltert zu werden, gelangen diese über die Flüsse ins Meer. Dort sammeln sich an den Partikeln Umweltschadstoffe, teils in hoher Konzentration. Forscher haben längst Mikroplastik in Plankton, Muscheln und Garnelen nachgewiesen – auch in Nordseefischen wie Makrele, Hering oder Flunder. So landen giftige Plastikabfälle über die Nahrungskette unter Umständen wieder auf unserem Teller.

Verbraucher und Politik können ihren Teil beitragen, denn vielerlei Plastik lässt sich aus unserem Alltag verbannen: an erster Stelle Mikroplastik in Kosmetika, aber auch typisches Wegwerfplastik wie Einwegflaschen, To-Go-Kaffeebecher, Verpackungen oder Einwegtüten. Die Deutschen verwenden beispielsweise pro Jahr 76 Plastiktüten, nicht eingerechnet die dünnen Obst- und Gemüsebeutel. „Viel zu viele“, sagt Inge Halletz. „Wir brauchen dringend eine gesetzliche Regelung gegen Einwegtüten – sowie ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetika. Freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie und Händler reichen nicht.“

Greenpeace Chiemgau

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Datum: Samstag, 19. März 2016 0:00
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