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Trostberg: Was bringt die geplante Ortsumfahrung? (Teil 1)

Rathaus Trostberg. Foto: gradraus

Rathaus Trostberg. Foto: gradraus

Ist Trostberg mit übermäßigem Verkehr belastet? Ja. Kann die geplante Westumfahrung diese Belastung wirkungsvoll verringern? Nein. Das meint zumindest die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Trostberger Stadtrat. Wir haben alle Stadtratsfraktionen nach der Abstimmung um eine Erläuterung ihrer Haltung zu den Ortsumfahrungsplänen des Staatlichen Bauamtes gebeten. Die Grünen haben prompt geantwortet.

Die Grünen haben im Stadtrat am 25. November den Plänen des Staatlichen Bauamts eine Absage erteilt und eine Stellungnahme vorgetragen, deren Grundgedanken im Folgenden wiedergegeben wird. Der größte Teil des Verkehrsaufkommens in Trostberg als Ziel- und Quellverkehr sei hausgemacht, so die Grünen. Warum bei den für 2030 prognostizierten 27,5 Prozent Entlastung im Bereich Vormarkt der größte Teil vermiedener Schwerlastverkehr sein soll, ist aus ihrer Sicht nicht nachzuvollziehen. Die verbleibenden 72,5 Prozent des Verkehrsaufkommens würden von den Anwohnern im Bereich der Pförtnerampel, aber auch im sonstigen Stadtgebiet kaum als Verringerung wahrzunehmen sein.

Durch die Umfahrung würde sich die Luftschadstoffsituation für Trostberg bestenfalls geringfügig am Vormarkt verbessern, fürchten die Grünen. Es sei eher davon auszugehen, dass die Schadstoffbelastung in anderen Teilen Trostbergs deutlich ansteigt. Das eigentliche „Gesamtkonzept zur Schaffung einer leistungsfähigen Bundesfernstraßenverbindung“ sei dazu gedacht, zusätzlichem Schwerlastverkehr eine komfortable Verbindung zwischen A8 und A94 zu bieten. Auf 20 Prozent des Streckenabschnittes sei daher eine dritte Fahrspur geplant, damit die trägen Brummis an den Steigungen Mögling-Pfaffenberg und nördlich Nunbichel-Weikertsham überholt werden können.

Grüne: Steigung würde zusätzlich Schadstoffe freisetzen

Dadurch, dass alle Fahrzeuge am neuen Kreisel zwischen Altenmarkt und Trostberg abbremsen und neu beschleunigen müssen, würden vor allem an der Steigung entlang des Höhenrückens in Mögling drastisch mehr Schadstoffe freigesetzt. Sollte auch die Umgehung Altenmarkt mit dem geplanten dreispurigen Brückenbauwerk über das Alzknie nach Nock geschleift werden, könnten die Bewohner der Schwarzau mit Lärm und Schadstoffen aus beiden Talanstiegen rechnen.

Eine geringfügige Reduzierung des Verkehrsaufkommens innerorts werde erkauft, indem bis jetzt verschonte Lebensräume mit einer „leistungsfähigen Bundesfernstraßenverbindung“ konfrontiert werden. Was Trostberg insgesamt von dem Teilstück dieser neuen Transitstrecke habe, sei:
– tiefe Einschnitte in hochsensible Hangabschnitte;
– deutlich steigendes Verkehrsaufkommen rund um die Stadt;
– hohen Verbrauch landwirtschaftlicher Flächen;
– neue Belastung bisher ruhiger Wohn- und Lebensräume;
– gigantische Bauwerke am Hang in Mögling und „Kraken-“Kreisverkehr mit Overfly in Waltersham.

Auch darauf weisen die Grünen hin: Nicht zuletzt bedeute die vorgesehene Rückstufung der alten Bundesstraße zwischen Reit und neuem Kreisverkehr Mögling in Staats- und Ortsstraßen künftig eine große finanzielle Herausforderung für die Stadt. Immerhin bleibe der größte Teil des aktuellen Verkehrsaufkommens erhalten und nutze dann Straßen und Bauwerke, die die Stadt auf eigene Kosten zu pflegen und zu erhalten hätte.

Der Stadrat hat seine Zustimmung zu den Plänen unter anderem mit folgenden Maßgaben zugestimmt: Der Abschnitt Reit–Bayernstraße solle nicht zur Ortsstraße, sondern zur Kreisstraße abgestuft werden. Auch der Abschnitt Schwarzerberg–Mögling soll nicht zur Ortsstraße, sondern zur Staatsstraße abgestuft werden. Um Landverbrauch zu reduzieren, soll nach dem Willen des Stadtrats außerdem geprüft werden, ob im Bereich westlich der geplanten Grünbrücke eine Überdeckelung möglich ist.

Das änderte nichts daran, dass die Grünen den Plänen ihre Zustimmung versagten. „Wir Trostberger haben es in der Hand, ob in Zeiten des fortschreitenden Klimawandels fragwürdige verkehrsfördernde, landraubende Maßnahmen auf unserem Gebiet vermieden werden“, so Grünen-Gemeinderat Hans Stalleicher. „Die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen in Trostberg hat genau wegen dieser Trassenplanung dem im Übrigen korrekten Flächennutzungsplan nicht zugestimmt und auch den Beschlussvorschlag abgelehnt.“

Die Stadträte haben sich mit mehrheitlich, mit 18:6 Stimmen für die Pläne des Staatlichen Bauamts ausgesprochen. Die anderen Fraktionen, die Gradraus nach dem Stadtratsbeschluss ebenfalls zu einer Darlegung ihrer Position eingeladen hat, haben (noch) nicht geantwortet. Die Einladung sei hiermit wiederholt. Zur Wortmeldung eingeladen seien jedoch insbesondere die, die in der Stadtratssitzung am 25. November zahlreich vertreten waren, aber dort nicht das Wort ergreifen durften und zur Entscheidung über Zustimmung oder Ablehnung der Pläne nicht gefragt werden: Die Trostberger Bürgerinnen und Bürger.

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Datum: Dienstag, 15. Dezember 2015 8:57
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