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Wassersport, Naturschutz und Politik paddeln
für „Freie Salzach“

Salzach Paddeln für eine frei fließende Salzach Burghausen

Ankunft in Burghausen © Flüsse voller Leben

Zahlreiche Paddler begleiten die Plätte mit Vertretern aus Politik und Naturschutz am vergangenen Samstag auf der Salzach von Tittmoning nach Burghausen. Ein weithin sichtbares Zeichen am bayerisch-österreichischen „Problemfluss“. Die Salzach gräbt sich aufgrund von fehlendem Schotternachschub immer tiefer in die Landschaft ein und muss saniert werden. Das Land Salzburg hat mit seiner Vision „Naturpark Salzachauen“ einen naturverträglichen Weg der Sanierung eingeschlagen.

Die Salzach soll zwischen Salzburg und Oberndorf – Laufen an die Reste des ehemaligen Auwalds angebunden werden. Wo es räumlich möglich ist, soll wieder eine mehrarmige, bis zu 400 Meter breite Naturflusslandschaft wie vor 200 Jahren entstehen. Oberösterreich und Bayern sollen diesem Vorbild folgen. Die notwendige Flussbettsanierung muss auch hier sanft erfolgen, die OÖ Umweltanwaltschaft vertritt die „Naturflussvariante“, auch bei diesem weiter nördlich gelegenen Abschnitt soll die Salzach bis Ostermiething – Tittmoning aufgeweitet werden. Bayern und Oberösterreich haben nur diese eine Chance den 60 Kilometer langen Unterlauf des großen Voralpenflusses zu erhalten und damit auch gleichzeitig mehr Hochwassersicherheit zu schaffen. Die von Energiekonzernen gewünschten „Sanierungsvarianten“ würden sonst am Ende den Untergang der Salzach in einer Kraftwerkskette bedeuten.

Acht Grad Celsius und Regen, nicht besonders einladend für eine Bootsfahrt, aber die Vertreter aus Politik und Naturschutz sind an Bord. Salzburgs Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler ist mit Bahn und Rad angereist, Naturschutzbund Österreich Präsident Roman Türk, Deutschlands Bundestagsabgeordnete Rita Hagl-Kehl von der parlamentarischen Gruppe „Frei fließende Flüsse“, die bayerische Landtagsabgeordnete Gisela Sengl, BUND Naturschutz Bayern Landesbeauftragter Richard Mergner sowie die Präsidenten der Kanu-Verbände Isa Winter-Brandt und Oliver Bungers. Die VIP-Plätte wird von vielen bunten Kanus und Kajaks eskortiert, auch ein Faltbootkapitän mit Regenschirm ist dabei. Nach einer Stunde flotter Strömung erreicht der nasse Konvoi Burghausen. Hier am Stadtplatz stellt der WWF mit seiner großen Wanderausstellung „Mythos Wasserkraft“ die Mär von der sauberen Wasserkraft in Frage. Staunende Kinder erleben im „Flüsse voller Leben Zelt“ die Wunder einer intakten Flusswelt.

WWF Ausstellung Mythos Wasserkraft in Burghausen

WWF Ausstellung Mythos Wasserkraft in Burghausen © Flüsse voller Leben

Hans Steindl, Erster Bürgermeister der Stadt Burghausen eröffnet die Kundgebung der in der ALS -„Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach“ versammelten Naturschutz und Kanu-Verbände. Steindl, der schon als Bub das Jahrhunderthochwasser von 1954 erlebt hat, will mehr Raum für die Salzach und meinte „Zwei kürzlich modernisierte Innkraftwerke liefern jetzt ein Mehr an Strom, dass zehnmal den Kraftwerksprojekten an der Salzach entspricht! Modernisierung ja, Neubau nein.“

Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler präsentiert den von der Vision zum Projekt gereiften Naturpark Salzachauen: „Für 300 Hektar im ersten Abschnitt gibt es bereits Verträge, auch beim zweiten Abschnitt sind die Verhandlungen schon im Gange. Das eingereichte EU LIFE Förderungsprojekt steht kurz vor der Bewilligung und die Errichtung einer Auenwerkstatt ist fixiert. Gespräche mit bayerischen Gemeinden lassen großes Interesse für den Salzburger Weg erkennen“, meint Rössler und appelliert an die Nachbarn die Salzach als „Kathedrale der Natur“, gemeinsam für „künftige Generationen zu bauen und zu erhalten“.

Naturschutzbund Österreich Präsident Roman Türk erklärt, „dass sich der Naturschutzbund Österreich seit vielen Jahren für eine Renaturierung der Salzach einsetzt“ und zitiert den in Fachkreisen bekannten Spruch „Breitwasser statt Hochwasser“. Die Kanu-Verband Präsidenten Oliver Bungers und Isa Winter-Brandt versichern, dass sie und ihre 200.000 paddelnden Mitglieder „mit voller Kraft für die ‚Freie Salzach‘ kämpfen werden“.

Schon vor mehr als zehn Jahren wurde die untere Salzach von der Politik als künftiger „Nationalpark Salzach“ gehandelt. Die letzten Jahre aber war der Grenzfluss im Visier der Energiewirtschaft, mehrere Kraftwerksprojekte wollten das Wasser der Salzach. 14 Organisationen aus Österreich und Bayern, darunter Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach, WWF, Naturschutzbund, Bird Life, Bund Naturschutz und Umweltdachverband haben sich vor vier Jahren per Resolution „für eine frei fließende Salzach im Unterlauf“ ausgesprochen. Diese Gemeinschaft setzt sich seither für den Erhalt des Europaschutzgebietes, der Natura 2000 Abschnitte und des Vogelschutzgebietes an der Salzach ein – und damit für unseren Erholungsraum am letzten freien Voralpenfluss zwischen Österreich und Bayern.

Peter Feldhammer

Informationen Naturflussvariante – Oberösterreich: Naturschutzbund.at/Vorzeigeprojekt_Salzach.pdf

Informationen Naturpark Salzachauen – Salzburg: Naturpark_Salzachauen

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Datum: Montag, 22. Juni 2015 11:43
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