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Giftige Pflanzenschutzmittel keinesfalls
in Haus und Garten verwenden

Keine giftigen Pflanzenschutzmitel in Haus und Garten

Foto: Gradraus

Viele auch in Baumärkten käufliche Spritzmittel gegen Unkraut, Schnecken und Schadinsekten enthalten für die Natur giftige Stoffe wie Neonicotinoide, Metaldehyd oder Glyphosat. Auf den Packungen wird manchmal eine Unbedenklichkeit bescheinigt – fälschlicherweise. Die Ökomodellregion Waginger See / Rupertiwinkel klärt auf.

Neonicotinoide (in Zierpflanzensprays oder Schädlingsbekämpfungsmitteln zum Beispiel gegen Blattläuse) sind, darauf deuten Forschungsergebnisse hin, auch schädlich für Bienen, Wildbienen und Hornissen. Selbst wenn diese Tiere keine tödliche Dosis aufnehmen, gibt es immer mehr Anhaltspunkte dafür, dass die nervenschädigenden Substanzen den Orientierungssinn der Bienen stören, sodass sie nicht mehr nach Hause in ihren Stock finden, ihre Sammelaktivität gestört wird oder der für die Futtersuche wichtige Informationsfluss an andere Bienen nicht mehr funktioniert. Besonders häufig werden Neonicotinoide im privaten Obstanbau gespritzt, aber gerade hier ist es fatal, wenn durch den Einsatz von Giften ausgerechnet die für die Bestäubung so wichtigen Bienenarten massiv geschädigt werden. Dringend vermeiden sollte man Mittel, die die Giftstoffe Thiacloprid, Clothianidin oder Imidiacloprid enthalten.

Während Landwirte regelmäßig einen Sachkundenachweis für die richtige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln führen müssen, sind sich viele private Anwender der Problematik oft gar nicht bewusst. Der lautlose Rückgang fast aller Wildbienenarten spiegelt sich lokal bereits im Rückgang an Obst wider, denn auch Wildbienen tragen einen wichtigen Teil zur Bestäubung bei und sind ein unwiederbringlicher Verlust im Ökosystem.

Während Schneckenkorn mit dem Wirkstoff Eisen-III-Phosphat einigermaßen umweltverträglich ist, wenn es in kleinen Mengen ausgebracht wird, sind alle Mittel mit dem leider gängigen Wirkstoff Metaldehyd strikt abzulehnen. Dieses Nervengift ist tödlich für Haustiere wie Hunde und Katzen, es gibt kein Gegenmittel! Viele Tierärzte kennen Vergiftungsfälle von Haustieren, denen nicht mehr zu helfen war. Und auch Igel, Vögel und andere Tiere, die vergiftete Schnecken fressen, können daran sterben. Manche Gartenbesitzer errichten wahre „Schneckenkornmauern“ um ihre Salatpflanzen, ohne Bewusstsein für die manchmal verheerenden Nebenwirkungen des Wirkstoffs für die Tierwelt. Besser ist es, die Schnecken regelmäßig abzusammeln, Gemüse mit einem Schneckenzaun zu schützen, ein Hochbeet anzulegen oder auf wenig anfällige Zierpflanzen zu achten, die optimal zum Standort passen.

Glyphosathaltige Mittel gegen Unkraut (zum Beispiel Roundup) sollten auf Privatflächen, noch dazu auf gepflasterten/ versiegelten Flächen, keinesfalls zur Anwendung kommen! Auf Gehwegen und Garageneinfahrten ist die Ausbringung ohnehin verboten, da das Mittel in die Kanalisation und damit in den Wasserkreislauf gelangen kann.

Glyphosat und glyphosathaltige Mittel, die oft noch weitere giftige Zusatzstoffe enthalten, gelten nach neueren Untersuchungen beim Menschen als zellschädigend und krebserregend. Trotzdem ist der Verkauf gerade an Hobbygärtner in den letzten Jahren stark angestiegen. Die Wirkstoffe gelangen in den Boden und in die Gewässer, wo Fische, Amphibien und andere Tiere nachweislich in ihrer Fortpflanzung geschädigt werden. Zudem wird durch Wechselwirkungen mit Mikroorganismen die Bodenfruchtbarkeit beeinträchtigt.

Inzwischen hat sich Glyphosat in Böden und Grundwasser so sehr angereichert, dass der Stoff über die Nahrungskette auch in den menschlichen Körper gelangt. Bei Untersuchungen im Auftrag des BUND Naturschutz konnte bereits bei rund 70 Prozent der Deutschen Glyphosat im Urin nachgewiesen werden, teilweise bis zu 20 mal mehr, als die von der EU zulässige Konzentration im Trinkwasser. Es ist noch nicht untersucht, welche Auswirkungen diese hohen Mengen auf den menschlichen Körper haben.

Die EU hat die Zulassung vieler dieser giftigen Stoffe immer wieder verlängert, umso mehr ist es erforderlich, dass Grundbesitzer ihrer Verantwortung gerecht werden und die umweltschädlichen Mittel keinesfalls anwenden! Wer trotzdem nicht auf Pflanzenschutzmittel verzichten möchte, muss sich zum einen streng an die Zulassung und Dosierung halten, zum anderen die Anwendungshäufigkeit pro Jahr und die ordnungsgemäße Entsorgung unbedingt beachten. Dies gilt auch für „biologische Pflanzenschutzmittel“, denn ein Giftstoff, der aus Pflanzen extrahiert wird, kann genauso giftig sein wie ein chemisch synthetisierter Stoff. Von ungiftigen Bodenhilfsmitteln oder – vielleicht sogar selbst gemachten – Pflanzenstärkungsmitteln wie Brennesseljauche geht dagegen keine Gefahr aus.

Sehr hilfreich ist es, die eigenen Vorstellungen von Ordnung und Sauberkeit im Garten zu überdenken: Ein naturnaher Garten kann sich trotz einzelner Schäden durch Schnecken oder Krankheiten zu einem wunderbar lebendigen Biotop entwickeln, das dem Gartenbesitzer viele freudige Erlebnisse und Naturbeobachtungen im Kleinen bringt – und sei es, den Igel auf Schneckenjagd gut zu behüten.

Die Gemeinden in der Ökomodellregion haben jüngst beschlossen, auf die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln im kommunalen Bereich generell zu verzichten – wer also Unkraut aus einer Pflasterfuge sprießen sieht, wo früher keines war, sollte froh sein über den Beitrag seiner Gemeinde zur Gesundheit der Bürger und zum Grundwasserschutz.

Beate Rutkowski
Sprecherin der Arbeitsgruppe
„Streuobst und Artenschutz“/ Ökomodellregion

Autor:
Datum: Donnerstag, 4. Juni 2015 14:40
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