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Bayerische Staatsregierung antwortet auf Fragen zur Nitrat- und Phosphatbelastung im Waginger See

Medien sind schuld, wenn Besucher am Kneippbecken ausbleiben

Kneippbecken am Waginger See: Medien sind schuld, wenn Besucher ausbleiben

Wie haben sich die Phosphat- und Nitratwerte im Waginger See und im Grundwasser südlich des Sees in den letzten Jahren entwickelt? Was wurde seitens des Behörden unternommen, um eine Erhöhung der Werte zu vermeiden? Gibt es Anzeichen, dass die Veralgung infolge erhöhter Phosphatwerte negative Folgen für den Tourismus hat und ökologische Schäden auftreten? Gibt es Erkenntnisse oder Anzeichen für gesundheitliche Schäden bei den Menschen in der Region, die auf zu hohen Nitratgehalt im Grundwasser zurückzuführen sind?

Diese Fragen stellte der SPD-Abgeordnete Herbert Kränzlein im bayerischen Landtag an die Bayerische Staatsregierung in Form einer „Schriftlichen Anfrage“. Kränzlein bezog sich auf einen Bericht, der im Dezember in der Süddeutschen Zeitung erschienen war (Gradraus berichtete: Nicht nur Gülle und Kunstdünger belasten den Waginger See, auch das Trinkwasser ist in Gefahr )

Die Antwort erfolgte vom bayerischen Landwirtschaftsinisterium in Abstimmung mit dem Umweltministerium, dem Gesundheitsministerium sowie dem Wirtschaftsministerium und wurde vor einigen Tagen als Landtagsdrucksache veröffentlicht. Demnach liegen rund um den Waginger See keine Hinweise auf tendenziell stark steigende oder stark überhöhte Nitratgehalte des Grundwassers vor. Das in der Süddeutschen veröffentlichte Ergebnis der Risikoanalyse habe sich lediglich auf einen „südöstlich vom Waginger See gelegenen Grundwasserkörper“ bezogen, nicht auf den Grundwasserkörper, der den Waginger See umgibt. Dieser werde die Umweltziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie „voraussichtlich erreichen“.

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein ALEF wirke mit verschiedenen Ansätzen auf eine mittel- bis langfristige Verbesserung des Gewässerzustands des Waginger Sees hin, führt das Ministerium in seiner Antwort aus. Welche das sind, wird im Detail aufgelistet. Was die Gewässerökologie betrifft, räumt das Ministerium ein, dass der Waginger See die Umweltziele gemäß Wasserrahmenrichtlinie verfehle („unbefriedigender ökologischer Zustand“). Folge einer höheren Phosphatkonzentration sei ein verstärktes Algenwachstum. Dies führe am Ufergürtel zu Algenbewuchs und am Seegrund zu einer Sauerstoffzehrung. Darunter litten sauerstoffbedürftige Lebewesen wie zum Beispiel Fische. In den Sommermonaten sei ab einer Wassertiefe von acht Meter bis zum Seegrund (an der tiefsten Stelle 27 Meter) kein Sauerstoff mehr verfügbar.

Mit dem verstärkten Algenwachstum könne es außerdem zu einer Massenentwicklung von bestimmten Blaualgenarten kommen, die „potenziell toxisch sind“: Sie produzieren möglicherweise Giftstoffe, die bei Hautkontakt oder durch Schlucken „eine Schadwirkung entfalten können.“

Negativschlagzeilen in den Medien und sozialen Netzwerken mitursächlich für den Rückgang der Übernachtungszahlen

Auf die Frage, ob es Anzeichen dafür gebe, dass die Erhöhung der Phosphatwerte und der Veralgung zu Einbußen beim Tourismus am Waginger See führe, fällt die Antwort wenig differenziert aus: Das Urlaubsziel Chiemgau, Landkreis Traunstein, habe im vergangenen Jahr ein Plus von zwei Prozent bei den Gästeankünften verzeichnet, bei den Gästeübernachtungen habe es dagegen ein Minus von 2,6 Prozent gegeben. Es sei nicht auszuschließen, dass „die seit geraumer Zeit geführte öffentliche Diskussion und die damit verbundenen Negativschlagzeilen in den Medien und sozialen Netzwerken mitursächlich für den Rückgang der Übernachtungszahlen sind.“

Zu möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Anwohner verweist das Ministerium auf eine Auskunft der Kinderklinik im Klinikum Traunstein. Dort sei „kein erhöhtes Auftreten von gesundheitlichen Schäden im Sinne eines Sauerstoffmangels bei Säuglingen beobachtet“ worden. Eine Abfrage der Krebshäufigkeit in den betroffenen Gemeinden habe ergeben, dass keine Anzeichen für eine signifikant erhöhte Krebsrate bei Erwachsenen bestehe.

Die Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Kränzlein und die Antwort der Staatsregierung ist im Original-Wortlaut hier nachzulesen: Schriftliche Anfrage zur Nitrat- und Phosphatbelastung im Waginger See_17_0005560

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Datum: Dienstag, 28. April 2015 2:34
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