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Über 43 Millionen für neue Salzachbrücke

Traunstein. Die Kosten für die geplante Salzachbrücke bei Fridofing haben sich verdoppelt auf Grund des schlechten Untergrundes. Jetzt ist man bemüht nach Einsparungen zu suchen und will sich um eine Finanzierung durch den Freistaat bemühen.

Im Kreisausschuss wurde am vergangenen Dienstag ein Sachstandsbericht über die neue Salzachbrücke durch die beauftragten Bauingenieure gegeben, eine ausführliche Diskussion geführt und anschließend ein Beschluss gefasst. Zunächst wurde ausführlich auf den geschichtlichen Hintergrund des Rupertiwinkels und dem Wunsch nach einer zusätzlichen Brücke eingegangen und die Notwendigkeit der Brücke herausgestrichen. Die bekannten Argumentationen für die Erstellung einer Brücke wurden wiederholt: eine Brücke fehlt, Bedeutung einer regionalen Brücke, kürzere Anfahrtswege, wirtschaftliche Gründe.

Interessant wurde es, als Herr Fuchs von der Firma Haumann und Fuchs den gegenwärtigen Stand der Planung erläuterte. Dabei stellte er fest, dass der ursprüngliche Kostenansatz aus dem Jahre 2000 im Zusammenhang mit der Machbarkeitsstudie, die noch von Hermann Steinmaßl erstellt wurde, bei 20 Millionen einschließlich aller Kosten, wie Straßenbau und Naturschutz lag und inzwischen je nach Gründung bis auf 43 Million Euro allein für das Brückenbauwerk veranschlagt wurde. Noch 2005 ging man davon aus, dass man die Auflagen des Naturschutzes geringer halten könne, weil man im FFH-Gebiet einen Korridor freihielt. Doch daraus wurde nichts, der Korridor musste in das FFH-Gebiet logischerweise integriert werden. Somit gelten auch für dieses Gebiet die strengen EU-Naturschutzauflagen, was zur Folge hat, dass man die Brücke im FFH-Gebiet über 10 Meter aufständern und ein zusätzlicher Sichtschutz von 4 Metern Höhe im Bereich der Salzach anbringen muss. Auflagen, auf die schon der Verein „Vernunft statt Salzachbrücke“ frühzeitig hingewiesen hatte.

Ein besonders schwerwiegende Tatsache kam nun hinzu, nachdem man die Probepfahlbohrungen in diesem Jahr durchführte. Der Untergrund besteht aus Seeton mit einer Mächtigkeit bis zu 72 Meter. Eine Tiefengründung bis auf festen Untergrund ist extrem schwierig.. Hülsenrohre bis zu einer solchen Tiefe einzuführen und wieder herauszuziehen ist fast nicht möglich. Sie neigen dazu, durch den enormen Druck in einer solchen Tiefe stecken zu bleiben, wie das auch schon bei der Autobahnbrücke an der Tiroler Ache der Fall war. Gegen die billigere schwimmende Gründung im Bereich der auf 200 Meter ausgeweiteten Salzach hat sich das Wasserwirtschaftsamt ausgesprochen, weil dann die Gefahr besteht, dass die geringe Kiesschicht im Flussbett abgetragen wird und es zu einem Durchbruch in die Seetonschicht kommen könne. Bei schwimmender Gründung ist grundsätzlich davon auszugehen, dass sich das Bauwerk pro Jahr um einige Zentimeter absenkt, was immer wieder unvorhersehbare Kosten verursachen würde, die der Landkreis zu tragen hätte. Die sicherste Lösung ist die Tiefengründung und damit auch die teuerste – mindesten 43 Millionen Euro und mehr.

Landrat Steinmaßl glaubt, „wenn wir diese Unterlagen jetzt für das Planfestellungsverfahren eingereicht hätten, dass wir dann auch die Genehmigung erreichen würden.“ Gleichzeitig räumt er ein: „Was hilft mir am Ende einer Strecke eine genehmigte Trasse, wenn die Finanzierung nicht geregelt ist.“ Er schlägt vor, die Dinge noch einmal anzugehen, um nach wirtschaftlicheren Lösungen zu suchen. Und gleichzeitig solle man mit dem Freistaat Bayern die Finanzierung abklären.

In der anschließenden lebhaften Diskussion wurden unterschiedliche Statements abgegeben. Franz Maier aus Siegsdorf kritisierte, dass der Naturschutz alles unnötig verteuere und richtete seine Kritik an die Grünen. Sepp Hohlweger wies dies jedoch zurück und machte darauf aufmerksam, dass diese Gesetze schon unter Kohl verabschiedet wurden und EU-Recht seien. Dr. Lothar Seissinger wollte die vom Landrat vorgebrachte Begründung für eine neue Salzachbrücke nicht gelten lassen, dass im Vergleich an der Traun und Alz 72 Brücken bestünden und an der Salzach auf der gleichen Streckenlänge nur 4 Brücken gibt, denn die Salzach ist doch wirklich ein viel größerer Fluss und sei nicht mit der Traun vergleichbar. Karl-Ludwig Kaditzky forderte die Kosten zu überprüfen: „Geht es auch billiger?“ ist zu fragen und „dann müsse man auch die Folgekosten mit berücksichtigen.“

Schließlich wurde folgender Beschluss mit drei Gegenstimmen gefasst:

„Vom Sachstand wird Kenntnis genommen. Der Landrat wird bemächtigt zusammen mit dem Land Oberösterreich und dem Freistaat Bayern und den Fachbehörden nach wirtschaftlichen Lösungen für die Maßnahme zu suchen.“

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Datum: Mittwoch, 17. November 2010 2:30
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