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Die Energierevolution: Dezentrale Energieversorgung

Kirchstein.  Bei der letzten Zusammenkunft der Gruppe attac-Rupertiwinkel in der alten Schule in Kirchstein ging es um das Thema: Erneuerbare Energien der Zukunft in unserer Region. Energieberater Peter Aumeier aus Kirchanschöring ging in seinem ausführlichen Referat auf alle möglichen erneuerbaren Energien ein. Zum Beispiel Wasserkraft, Biogas, Fotovoltaik, Windkraft und Wasserstofferzeugung. Diese Art der Stromerzeugung bewirkt eine Vielfalt von kleinen und kleinsten Erzeugern, wie sie schon jetzt sichtbar wird. Hinzu kommt eine weite Streuung der Erzeugerstandorte. „Die Energiewende, deren Anzeichen zum Beispiel durch den Ausbau regenerativer Energien, verteilter Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen und internationaler Energiehandel überall in Europa nicht zu übersehen sei, könne in ihrer Größenordnung mit einer industriellen Revolution verglichen werden“, meint Aumeier.
Zwar haben die jetzigen vier großen Stromriesen in Deutschland, die den Strommarkt zu 80 Prozent beherrschen, mittels ihrer geschickten Lobbyarbeit offenbar erfolgreich ihren Stromanteil politisch verteidigt, indem sie die Verlängerung der AKW-Laufzeiten durchgedrückt haben, doch in Zukunft wird die dezentrale Stromerzeugung immer mehr an Bedeutung gewinnen.“
Voraussetzung für diesen Wandel ist die richtige Politik
Voraussetzung für diesen Wandel ist die richtige Politik, die diese Entwicklung durch entsprechende Stromeinspeisegesetze zulässt. „Je mehr sich die Stromerzeugung dezentral entwickelt, um so mehr muss auch das Stromnetz und die Verteilung neu gestaltet werden. Die Konsequenz ist eine Umstrukturierung des heute noch zentral ausgerichteten Versorgungssystems hin zu einem mehr von kleineren, dezentralen Einheiten gekennzeichneten System. Die Folge ist eine sich verändernde Kraftwerksstruktur sowie geänderte Anforderungen an Netzbetrieb und Energiemanagement“, stellt Aumeier fest.
Immer mehr Gemeinden erzeugen ihren eigenen Strom
„Dabei schließen sich die zentrale und die dezentrale Energieversorgung keinesfalls aus und können beide nebeneinander bestehen und sich ergänzen. Schon heute sind Gemeinden autark mit Energie aus Bioamassekraftwerken, Fotovoltaik und Windrädern und sind nur noch für den Notfall ans allgemeine Netz angebunden.“
Wie viel erneuerbarer Strom wird im Landkreis hergestellt?
Bei der anschließenden Aussprache forderte Hans Birkner eine Bestandsaufnahme der im Landkreis erzeugten erneuerbaren Strommenge, um es dem Bedarf im Landkreis, geschätzt auf 1200 Mill. kWh, gegenüberzustellen. „Es komme darauf an, was tatsächlich hier im Landkreis an erneuerbarem Strom erzeugt werde. Es geht darum, in der Stromerzeugung autark zu werden, es geht um Nachhaltigkeit und Effizienz. Ein Beispiel: Der aus Österreich importierte Strom aus Wasserkraft, dürfe in einer solchen Bilanz nicht enthalten sein, wenn es darum geht unabhängig zu werden und die Wertschöpfung in der Region zu erhalten.
Nicht nur erneuerbaren Strom einspeisen, sondern selber produzieren
„Der Landkreis Traunstein hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt: Bis 2020 soll der gesamte Strombedarf zu 100 Prozent aus regenerativen Energien gedeckt werden. Das ist ein erreichbares, wenn auch ein sehr ambitioniertes Ziel“ merkte Ulrich Kühn an. „Wichtig ist aber, dass der Strom auch im Landkreis erzeugt wird. Wird er nämlich aus dem Ausland eingeführt, dann ist es nur Stromhandel. So werden es ab Januar die Stadtwerke Traunstein mit erneuerbarem Wasserkraftstrom aus Österreich machen. Der erste Schritt den Kunden reinen erneuerbaren Strom zu verkaufen ist lobenswert, der nächste Schritt sollte sein, diesen Strom auch im Landkreis zu erzeugen.“
Bio-Wasserstoff  benötigt nur halben Energieeinsatz
Diplomingenieur und Energieberater Alois Zimmermann sieht die Zukunft in der Herstellung von Bio-Wasserstoff aus Biomasse und rechnet vor, dass im Landkreis drei große Anlagen reichen würden, um neben den anderen kleinen Stromerzeugern den Bedarf decken zu können. „Der Vorteil der Wasserstofftechnik liegt in der hohen Effektivität durch die einfache Wärme-Kraft-Kopplung mit der Brennstoffzelle. Dadurch gibt es wesentlich weniger Verluste und wir brauchen nur den halben Energieeinsatz für die gleiche Nutzenergie. Das wiederum macht auch die Selbstversorgung mit Energie im Landkreis möglich, wenn auch die anderen Erneuerbaren noch geringfügig ausgebaut werden.“ Und noch etwas findet Alois Zimmermann wichtig: „Der Wasserstoff soll erzeugt werden aus „feuchter Biomasse“, also Grassilage, Straßenbegleitgrün und eventuell aus minderwertigem Hackgut. Das wird auch der Landwirtschaft und der Fremdenverkehrsregion bleibende Attraktivität sichern und die Mais-Monokultur stoppen.“
Konzepte für erneuerbar Energie entwickeln
Agnes Thanbichler, die den Abend leitete, stellte am Schluss fest, dass man die vielen Informationen erst einmal verarbeiten müsse und forderte: „Eine ganz wichtige Aufgabe der Gemeinden muss es sein, Konzepte für erneuerbare Energie zu erarbeiten und die Bevölkerung intensiv aufzuklären, damit die Region weg kommt von den fossilen Energieträgern. Jeder kann etwas dazu betragen, indem er sich bemüht, in seinem Wohnbereich Energie einzusparen.“
Andere machen es vor:  weiterführende Links:
Energiewende Oberland >>>
Energiewende Münsing >>>
Energiewende Starnberg >>>
Energiewende jetzt >>>
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Datum: Samstag, 13. November 2010 10:19
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