gradraus

Casino-Kapitalismus – große Gefahr für unsere Demokratie

Günter Grzega

Günter Grzega

Weibhausen. Vor Kurzem hielt der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Spardabank München Günter Grzega einen Fachvortrag zu dem Thema „Ökosoziale Marktwirtschaft“.  Er bezeichnete den Casino-Kapitalismus mit seiner auf Profit-Maximierung ausgerichteten Ideologie als große Gefahr für unsere Demokratie. Als Ausgangspunkt seiner Ausführungen wählte Grzega Artikel 151 der Bayerischen Verfassung: „Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl, insbesondere der Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins für alle und der allmählichen Erhöhung der Lebenshaltung aller Volksschichten.“ Dieser Verfassungsauftrag wird weder von der Regierung noch von Banken und Konzernen eingehalten, im Gegenteil. „Wir erleben, dass sich in den letzten 20 Jahren die Realwirtschaft immer mehr zur Finanzwirtschaft verlagert hat mit Renditeforderungen von acht Prozent und mehr, was die Realwirtschaft mit Produktivitätssteigerungen von ein bis zwei Prozent niemals erfüllen kann.“ Auf diese Weise kam es im Jahr 2008 zur Welt-Finanzkrise, bei der das Welt-Finanzsystem kurz vor dem Kollaps stand.

Grzega nennt drei Ursachen  für die Finanzkrise:

1. Die Entfesselung der Welt-Finanzmärkte,

2. der Abbau von Kontroll-Instrumente und

3. der unbedingte Glaube an die Richtigkeit des Rendite-Strebens. Eine auf Gier ausgerichtete Strategie kann zwar kurzfristig erfolgreich sein, langfristig jedoch keinen Bestand haben.

Die wahre Ursache der Finanzkrise steckt in der Umwandlung der Finanzbrache zum deregulierten Finanz-Casino

Die wahre Ursache der großen Krise 2007/2008 war nach genauer Analyse nicht die Immobilienblase in den USA, sondern die Umwandlung der Finanzbranche von einem Dienstleister der Realwirtschaft zu einem deregulierten Finanz-Casino. Maßlose Geldgier als Ersatzreligion, sie als gesellschaftlich anerkannte Strategie zu verkaufen, erlaubte ein System weitgehend undurchschaubarer Finanzprodukte. Auf jedes neu konstruierte Finanzkonstrukt setzte die Welt-Finanzmafia noch die sogenannten Derivate, also Wertpapiere auf schon vorhandene Wertpapiere. Einer der mächtigsten Finanzinvestoren der Welt, Georges Sorros, sagte dazu: „Kredit-Derivate sind finanzielle Massenvernichtungs-Waffen“. Diese Finanz-Wetten waren zudem großteils kreditfinanziert, in der Finanzsprache „gehedget“, und den Spielern wurde versprochen, leistungslos aus Geld noch mehr Geld zu machen. Während das Bruttoinlandsprodukt der gesamten Erde im Jahr 2012 circa 70 Billionen Dollar betrug, wurde der Wert der OTC-Derivate auf 700 Billionen Dollar geschätzt, also das zehnfache!

Klare Forderungen zur Lösung des Finanz-Casinos

Um den nächsten Riesen-Crash zu vermeiden, fordern Kritiker des Finanz-Casinos: Verbot von Derivaten, die nicht zur Absicherung realer Geschäfte dienen und die Austrocknung von Steueroasen sowie die Einführung einer Finanz-Transaktionssteuer. Mit Nachdruck plädiert Grzega für eine Rückführung des Bankensystems in seine ureigensten Aufgaben als Dienstleister der Realwirtschaft. Eine Bank als Aktiengesellschaft werde niemals seiner originären Aufgabe, nämlich das Beste für seine Kunden zu tun, nachkommen können. Warren Buffet bezeichnet diese Entwicklung als „Krieg der Reichen gegen die Armen“. Die neoliberale Ideologie stelle eine große Gefahr für unsere Demokratie und Gesellschaft dar.

Einer der reichsten Männer der Welt, Warren Buffet, bezeichnet diese Entwicklung als „Krieg der Reichen gegen die Armen“ und Papst Franziskus sagt: „Die Anbetung des antiken goldenen Kalbes hat eine neue und erbarmungslose Form gefunden im Fetischismus des Geldes und in der Debatte einer Wirtschaft ohne Gesicht und ohne ein wirklich menschliches Ziel“. Diese Fehlentwicklung wird von der Regierung und Wirtschaftsfachleuten vernebelt. Die Bürger werden mit Schlagwörtern getäuscht, etwa wie „Deutschland geht es gut“. Korrekt wäre die Aussage: „50 Prozent der Deutschen geht es gut und davon zehn Prozent hervorragend. Bei den anderen 50 Prozent geht es leider abwärts“. Der Staat wird bewusst geschwächt, um die Umverteilung von unten nach oben voranzutreiben!

Dem Staat werden jährlich 200 Milliarden entzogen

Durch Steuergeschenke, Steuerhinterziehung, Schlupflöcher in Steuergesetzen und Steueroasen werden unserem Staat jährlich etwa 200 Milliarden Euro entzogen. Wenn dann die Mehrheit der Vertreter der etablierten Parteien die Bedeutung des Mittelstands preist und dann der Amazon-Konzern als einer der Hauptkonkurrenten mittelständischer Unternehmer bei einem Gewinn von zwei Milliarden eine Steuerquote von drei Prozent hat, kann nur mehr von hohlen Phrasen gesprochen werden!

Lösungen zur Überwindung der fatalen neoliberalen Ideologie

Am Ende präsentierte Grzega mögliche Lösungen zur Überwindung der fatalen neoliberalen Ideologie:

– Keine Prämien und Boni für das Topmanagement und Führungskräfte,
– normale Arbeitsverträge auch für Top-Manager,
– keine leistungsbezogenen Vergütungssysteme für Mitarbeiter. Sie korrumpieren nur!
– Keine Fusionen ohne Beteiligung, also Mitbestimmung der Belegschaft,
– Erweiterung des Kartellgesetzes auf Prüfung des Gemeinwohlnutzens und
– gesetzliche Festlegung von Mindestlöhnen.

Wilhelm Winkler

Anmerkung der Redaktion:

Würde man die Bayerische Verfassung wirklich ernst nehmen, dann gäbe es diesen ausufernden Casino-Kapitalismus nicht:

In der Bayerischen Verfassung steht in dem Kapitel
Die Wirtschaftsordnung
Artikel 151

Bindung wirtschaftlicher Tätigkeit an das Gemeinwohl; Grundsatz der Vertragsfreiheit

(1) Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl, insbesondere der Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins für alle und der allmählichen Erhöhung der Lebenshaltung aller Volksschichten.

(2) Innerhalb dieser Zwecke gilt Vertragsfreiheit nach Maßgabe der Gesetze. Die Freiheit der Entwicklung persönlicher Entschlusskraft und die Freiheit der selbständigen Betätigung des einzelnen in der Wirtschaft wird grundsätzlich anerkannt.
Die wirtschaftliche Freiheit des einzelnen findet ihre Grenze in der Rücksicht auf den Nächsten und auf die sittlichen Forderungen des Gemeinwohls. Gemeinschädliche und unsittliche Rechtsgeschäfte, insbesondere alle wirtschaftlichen Ausbeutungsverträge sind rechtswidrig und nichtig.

Diesen Beitrag drucken Diesen Beitrag drucken

 

Autor:
Datum: Sonntag, 4. Mai 2014 2:10
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Finanzkrise, Korruption, Schuldenkrise, Wirtschaft

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren.
Pingen ist momentan nicht möglich.

Kommentar abgeben


Ihr Kommentar:

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessern. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.