gradraus

Salzachbrücke bei Fridolfing vor dem Aus – „Jetzt bekommt Fridolfing sein Stuttgart 21“

Landrat Steinmaßl und Stellvertreterhauptmann Hiesl aus Oberösterreich halten trotz des schlechten Untergrunds daran fest, die Brücke  zu bauen. „Unverantwortlich“ meint Sepp Frech von ‚Vernunft statt Salzachbrücke‘,
„Jetzt bekommt Fridolfing sein ‚Stuttgart 21‘ “.

Die sieben Pfahlbohrköpfe der 27 m langen Probepfähle ragen noch heraus. Die zwei größeren Haufen im Hintergrund ist der Seeton, der beim Bohren an die Oberfläche gelangte.

Offenbar ist den Herren nicht bewusst, dass sie mit dem sturen Festhalten an der Brücke in Fridolfing den Protest der Bevölkerung geradezu herausfordern. Die Kosten sind jetzt schon um das Doppelte gestiegen und es ist keineswegs sicher, ob überhaupt gebaut wird. Denn Steinmaßl und Hiesl geben an, in weiteren Gesprächen nach wirtschaftlicheren Lösungen suchen zu wollen. Für unverzichtbar erklären beide Entscheidungsträger den Bau der Brücke für die anliegenden vier Gemeinden, Stadt Tittmoning (6100 EW) , Fridolfing (4200 EW) St.Pantaleon ( 3100 EW) und Ostermiething (3200 EW) und behaupten in ihrer gemeinsamen Presseerklärung vom 22.10.10, dass diese Gemeinden rund 30.000 Einwohner hätten, was schlichtweg falsch ist.

Kosten haben sich verdoppelt

Inzwischen haben sich die Kosten innerhalb von fünf Jahren von 22,5 Millionen auf 40 Millionen fast verdoppelt. Allein dieser Tatbestand offenbart einen unverantwortlichen Umgang mit unseren Steuergeldern und den zu erwartenden Kosten. Schließlich haben die Kreisräte im Gesamtpaket „Bildung und Infrastruktur“, dass der Landrat bei jeder Gelegenheit lobend hervorhebt, im guten Glauben zugestimmt unter der Voraussetzung, dass der Landkreis nur zwei bis drei Millionen Kosten zu tragen hätte. Ein Irrtum, wie sich nun herausstellt. Da aber rechtmäßig für den Bau mit damaliger CSU- und SPD-Mehrheit abgestimmt wurde, gilt diese Entscheidung offenbar für alle Zeiten.

Keine verbindliche Förderzusage der Regierung

Dabei gibt es nach wie vor keine verbindliche Förderungszusage zu den Kosten weder von der EU noch von der bayerischen Regierung, wie die Antwort der Regierung auf die Landtagsanfrage von Sepp Daxenberger zur geplanten Brücke bestätigt. Sepp Frech bringt es auf den Punkt: „Das Einzige, das Landrat Hermann Steinmaßl zur Finanzierung des Bauvorhabens bisher vorweisen kann, ist eine Zusage vom damaligen Ministerpräsidenten Günther Beckstein, aber dieser ist ja längst Geschichte.“

Mit bloßem Auge sichtbar: Probepfahl hat sich um 3 cm abgesenkt!

Pfahlprobebohrungen sind gescheitert

Recherchen der neuen „Gradraus“-Bürgerzeitung (www.gradraus.de) haben ergeben, dass eine „schwimmende“ Gründung der Brückenfundamente wegen der wässrigen Seetonschicht keinesfalls ratsam wäre. Es drohen Absenkungen des Brückenbauwerks und Schäden in Millionenhöhe. Dass die Salzachbrücke bei Fridolfing nicht „schwimmend“ gebaut werden kann, legen Beobachtungen von Augenzeugen vor Ort nahe. Nachdem schon die erste Belastungsprobe fehlschlug, weil die eingerammten 30 Meter langen Hülsenrohre im Seeton keinen Halt fanden, wurde eine zweite Bohrung vorgenommen, bei der die Hülsenrohre „eingedreht“ wurden. Diese wurden mit Beton gefüllt und zunächst schien alles zu klappen. Als aber die sieben Betonpfähle einer Belastungsprobe unterzogen wurden, zeigte sich, dass der Untergrund nachgab. Noch heute kann man mit bloßem Auge an einem Pfahl deutlich erkennen, dass sich dieser inzwischen um etwa drei Zentimeter abgesenkt hat.

Bei der Planung wurde Bodenbeschaffenheit offenbar nicht ausreichend berücksichtigt

Allein diese zwei Probebohrungen dürften Kosten von mehr als 250.000 Euro verursacht haben. Sepp Frech schüttelt darüber den Kopf und fragt sich: „Wie kann es sein, dass so kompetente Leute wie der Landrat, der als Bauingenieur selbst die „Machbarkeitsprüfung aus technischer und wirtschaftlicher Sicht’“ im Jahr 2000 verfasst hat, bei dieser Erarbeitung den schlechten Untergrund offenbar nicht genügend berücksichtigt hat? Wir fordern Transparenz und eine Veröffentlichung der offiziellen Ergebnisse der Belastungsprobe. Schließlich geht es hier um die offensichtliche Verschwendung von Steuergeldern: Für Voruntersuchungen, Gutachten und Vorplanungen zur Brücke und ihren Zufahrtstraßen haben wir Steuerzahler bisher ungefähr eine Million Euro aufwenden müssen.“

Die Redaktion von „Gradraus“ ging dieser Frage nach und fand heraus, dass in der von Diplomingenieur Herrmann Steinmaßl durchgeführten Machbarkeitsprüfung zwar von „ungleichmäßiger Tiefenschichtung“ und „eiszeitlich geprägter Bodenverfüllung“ die Rede ist, aber das Wort „Seeton“ (das im Grunde nichts anderes bedeutet als „weicher nasser Sand“) und auch die Dicke dieser Schicht nicht vorkommen. Eine Beurteilung der Eignung des weichen Untergrunds für ein Pfeilerbauwerk fehlt völlig. Und das, obwohl genau dies die Aufgabe der Prüfung gewesen wäre.

Warum wurde das Vorhandensein der Seetonschicht so vollkommen ignoriert? Die Ergebnisse von Bohrungen aus den Jahren 1951 und 1975 müssen den Planern doch bekannt gewesen sein. Schon damals wurde eindeutig festgestellt, dass sich in diesem Bereich eine mindestens 40 Meter dicke Seetonschicht befindet. Spätestens bei Tiefenbohrungen im Sommer 2009 muss endgültig klar geworden sein, dass insbesondere in Flussnähe in einer Tiefe von bis zu 72 Meter (!!) kein fester Grund zu erreichen ist.

Vorschlag: Dieses 30 Meter lange mit Beton gefüllte Hülsenrohr, als Abfall zurückgelassen, könnte als Mahnmal für circa 1 Million Euro verschwendete Steuergelder aufgestellt werden.

Aus all dem ist zu schließen, dass hier die geplante Salzachbrücke einfach nicht zu realisieren ist. Im Zusammenhang mit dem sehr schlechten Baugrund drängt sich die Frage auf, ob man nicht die enormen Kosten hätte vermeiden können, wenn vor Beginn der Planung die Bodenbeschaffenheit sorgfältig geprüft worden wäre.

Was bleibt, sind die sieben Pfahlköpfe und ein defektes, 30 Meter langes und 60 Zentimeter dickes rostfarbenes Hülsenrohr, in dem der eingefüllte Beton stecken geblieben ist. Eine Spaziergängerin meinte, dass man dieses lange Rohr doch senkrecht aufstellen könnte an der B 20: als Mahnmal für eine Million Steuergelder, die hier in den Sand gesetzt wurden.

Autoren: Ulrich Kühn, Dipl.-Biol. Ilse Englmaier und Dr. Heike Mayer

Tags » «

Autor:
Datum: Samstag, 23. Oktober 2010 16:48
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Bürgerinitiativen, Informationsfreiheit, Salzachbrücken, Verkehr

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren.
Pingen ist momentan nicht möglich.

Kommentar abgeben


Ihr Kommentar:

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessern. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.