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Frau Bürgermeisterin – bei den Kommunalwahlen gehen diesmal einige Frauen in die Offensive

Traunstein. Eine einzige Bürgermeisterin gibt es bisher im Landkreis Traunstein – Ursula Haas aus Taching. Das könnte sich am 16. März ändern. Frauen gehen in die Offensive – eine ganze Reihe Kandidatinnen treten an, um Bürgermeisterin in ihrem Ort zu werden. Wir haben sie gefragt, was sie motiviert und stellen sie Ihnen vor.

 

 

 

Ursula HaasUrsula Haas

Bürgermeisterin von Taching:

Natürlich gibt es belegbare Unterschiede im Verhalten von Frauen und Männern. Weil die Ausprägung aber von der Einzelperson abhängig ist, sollte man nicht generalisieren – zum Beispiel sind meine Bürgermeisterkollegen Herbert Häusl und Josef Mayr aus der Verwaltungsgemeinschaft in der Zusammenarbeit sehr kompromissfähig und kommunikativ und sie verfolgen auch sogenannte „weiche“ soziale oder ökologische Themen sehr intensiv. Ich möchte nicht, dass mir ausschließlich wegen meiner Eigenschaft als Frau positive Attribute zugeschrieben werden. Ich hoffe nämlich, dass sich die insgesamt erfreuliche Resonanz, die ich erfahre, in erster Linie aus meiner geleisteten Arbeit, dem Zeitaufwand oder meinem Umgang mit den Leuten ergibt und nicht aus dem Umstand, dass ich eine Frau bin. Wenn wir als Frauen nämlich gleichberechtigt wahrgenommen werden wollen und nicht wollen, dass uns geschlechtsspezifisch negative Vorurteile angeheftet werden, dürfen wir solche überkommenen Rollenverteilungen auch nicht in der anderen, uns angenehmen Richtung mitspielen. Meine Motivation, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren, hatte jedenfalls nichts damit zu tun, dass ich eine Frau bin und ich hoffe auch, dass ich es trotz meiner Vorreiterrolle, die mir als erster Bürgermeisterin im Landkreis zugefallen ist, inzwischen geschafft habe, in erster Linie in meiner Funktion wahrgenommen zu werden. Insgesamt würde ich natürlich begrüßen, wenn mehr Frauen in der kommunalen Selbstverwaltung aktiv wären – ich würde mich deshalb freuen, wenn sich mehr Frauen überhaupt bereit erklären mitzuarbeiten und wenn die Wähler/innen nach persönlicher Eignung und geschlechtsunabhängig entscheiden, dann ergäbe sich ein höherer Frauenanteil von selbst.

 

Maria KellnerMaria Kellner

Zweite Bürgermeisterin von Tittmoning:

Ich möchte die Rahmenbedingungen für eine aktive Bürgerbeteiligung verbessern. Das Vorbild dafür ist die Kommune Weyarn, der dortige Bürgermeister Pelzer ist einen guten Weg gegangen, was mich stark beeindruckt hat. Etwa die Möglichkeit kleine Gewerbe im Außenbereich anzusiedeln. Dass man also nicht große Gewerbegebiete im Außenbereich erschließt, sondern in den Ortsteilen einzelne Gewerbebetriebe ermöglicht. In Tittmoning hat sich die Pro-Kopf-Verschuldung deutlich erhöht und deshalb sollte man da eine Kehrtwende vollziehen, damit wir nicht handlungsunfähig werden. Da braucht es Mut zum Sparen. Ich möchte auch das Denken und Planen umdrehen. Oft verkündet jemand aus der Politik und Verwaltung, da oder dort gäbe es einen Förderzuschuss, und deshalb wäre jetzt diese oder jene Investition zu tätigen. Ich denke da muss die Strategie geändert werden. Wir sollten überlegen, was passt zu uns, was wollen wir umsetzten: Zuerst ein guter Plan, dann der Blick auf die Förderung, dann ein sehr genaues Ermitteln des Finanzbedarfes und dann unser Beschluss. In Tittmoning spielt der Denkmalschutz eine große Rolle. Er hat seine Berechtigung, aber alles dem Eigentümer vorzuschreiben, geht zu weit. Mein Grundsatz ist, Denkmalschutz mit Augenmaß. Natürlich ist eine Fassade am Tittmoninger Stadtplatz unantastbar, aber dahinter muss angemessenes Wohnen, auch behindertengerecht etwa durch einen Aufzugeinbau möglich sein. Bei dem noch verbliebenen Lebensmittelgeschäft am Stadtplatz sind die Tage gezählt. Sollte es in der Zukunft neue Initiativen für ein Lebensmittelgeschäft am Stadtplatz geben, darf dieses Vorhaben nicht am Denkmalschutz scheitern. Außerdem wünsche ich mir eine gute Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen bei der Öko-Modellregion Waginger See.

 

Burgi Mörtl-KörnerWalburga Mörtl-Körner

Kreisrätin im Landkreis, Stadträtin von Traunstein:

Ich will Bürgermeisterin werden, weil wir Frauen uns viel mehr noch in die Gesellschaft einbringen müssen. Wir sind immer noch viel zu wenig Frauen in der Politik. Frauen haben einen anderen Blickwinkel auf die Gesellschaft. Alle Themen betreffen unser künftiges Zusammenleben, und deshalb muss man den Mut haben, sich einzumischen und auch den Mut haben, anzutreten für das wichtigste Amt im Ort, in der Stadt. Wir leben in einer sehr gut funktionierenden Kommune, es ist eine wohlhabende Kommune. Ich möchte den Schwerpunkt auf die Ökologie legen, Traunstein zu einer fahrradfreundlichen Stadt machen, dass die Kinder zur Schule und auch sonst mehr mit dem Radl fahren können. Und wir müssen uns dem demografischen Wandel stellen. Immer mehr Menschen sind über 60 Jahre alt. Wie kann also unsere Kommune mitwirken, für ältere Leute einen passenden Wohnraum zu schaffen, bestehende Wohnungen seniorengemäß umzuwandeln, und auch Wohnformen zu entwickeln, wo ältere Menschen in Wohngemeinschaften zusammenleben. Auch unsere attraktive Innenstadt liegt mir sehr am Herzen. Ich bin strikt gegen weitere Großmärkte am Stadtrand, denn einerseits zerstören sie das schöne Landschaftsbild mit den grünen Wiesen im Süden, verstärken den Verkehr und andererseits stellen sie eine Konkurrenz zur Innenstadt dar. Ich möchte eine belebte Innenstadt mit unseren guten Fachgeschäften, die freundlich beraten, die qualifizierte Arbeitsplätze bieten und Gewerbesteuern zahlen. Menschen in der Innenstadt stärken die Gastronomie und unsere schönen Cafés auf dem Stadtplatz. Mein Motte ist: Bewährtes erhalten, die Zukunft gestalten.

 

Sabine PapadopoulosSabine Papadopoulos

Bürgermeisterkandidatin von Tittmoning:

Der demokratische Gedanke ist die Grundlage meiner Bewerbung. Als Bürgermeisterkandidatin möchte ich ein politisch wirksames Gegengewicht ins Rathaus bringen. Es sah lange so aus, als ob der jetzige Bürgermeister ohne Gegenkandidat bleibt. Da haben meine Kollegen nachgefragt, ob ich mir das nicht vorstellen könnte, Bürgermeisterin zu werden. Ich habe ja gesagt, und sie haben mir das Vertrauen ausgesprochen. Ich stehe für die Ökologische Bürgerliste, und ich stehe genauso in der Verantwortung für meine Kinder, Enkelkinder, für die nächste Generation. Industrie und Wirtschaft sind wichtig. Die Stadtpolitik ist jedoch in der Pflicht, diesen Aspekt nicht ausschließlich auf Kosten der Umwelt zu fördern. Der derzeitig großzügige Flächenverbrauch ist unverantwortlich. Ein „konventioneller“ Landwirt sagte: „Von dem, was zubaut ist, kann man nimmer obebeißn.“ Der Tittmoninger Stadtrat hat sich für das Projekt „Öko-Modellregion Waginger See“ beworben. Dies bietet hervorragende Anreize und Beispiele, die in unserer Region sicher eine sehr positive Entwicklung einleiten werden. Sanfter Tourismus, regionale Erzeugung und Vermarktung von Bio-Produkten. Ich stehe voll hinter diesem Projekt. Unsere jetzige Stadtpolitik hat blind die gleichen Fehler wie viele andere Gemeinden vor uns nachgemacht: Discounter raus auf die grüne Wiese, und die Innenstadt blutet aus. Die Einzelhandelsgeschäfte am Stadtplatz können mit dem riesigen Warenangebot außerhalb der Stadtmauern nicht mithalten. Touristen und Einwohner finden einen Stadtplatz voll mit Autos aber mit nur wenigen Menschen vor. Schade. Das kann man besser machen!

 

Sandra SonntagSandra Sonntag

Gemeinderätin in Unterwössen:

Wir sind mit der neuen überparteilichen Wählervereinigung in unserer Gemeinde einen neuen Weg gegangen. Zum ersten Mal haben die Bürger/innen ihre Bürgermeisterkandidatin direkt gewählt und somit gibt es im März eine Wahl zwischen zwei Kandidaten. Wir wollen die Idee einer Gemeinschaftsliste fördern, denn weniger die Parteien sollen im Vordergrund stehen als vielmehr das Engagement für die Bürger. Ich möchte, dass die Bürger in Zukunft direkt an wichtigen Entscheidungen beteiligt werden. So steht bei uns etwa die Entscheidung über die Zukunft des Hallenbad-Komplexes an. Wir alle müssen zusammen entscheiden, was uns für die Zukunft wichtig ist. Besonders wichtig ist für mich auch die Einführung von Bürgersprechstunden. Wir wollen die Bürger künftig wirklich informieren und somit alle an der Gemeindepolitik teilhaben lassen. Ohne die Bürger geht es nicht, man kann heute nicht mehr über die Köpfe der Bürger hinweg Politik machen. Das hat man früher gemacht, aber das funktioniert in Zukunft nicht mehr. Wir haben sehr viel Bürger-Kompetenz in unserer Gemeinde, die man bisher nicht nutzt. Dass der Bürgermeister und die Gemeinderäte meinen, sie wüssten alles besser, das ist Ironie und vermessen. Wir müssen unseren bröckelnden Gemeindehaushalt wieder auf Vordermann bringen und Schuldenabbau betreiben. Es sind viele Dinge liegen geblieben, wir müssen in Zukunft zeitgemäß und nachhaltig investieren, in die Infrastruktur, in die Ortssanierung und im Tourismus. Wir müssen zusammen überlegen, was ist für unser Dorfleben ökonomisch vernünftig und ökologisch verträglich. Mit dem Öko-Modell Achental streben wir einen nachhaltigen Tourismus an.

 

Hedwig Witzleben     Hedwig Witzleben

Gemeinderätin in Waging:

Den Informationsfluss in der Gemeinde möchte ich besser gestalten. Selbst als Gemeinderätin habe ich das Gefühl, dass Informationen sehr spärlich fließen. Auf Nachfrage erhält man zwar Informationen, doch der aktive Informationsfluss von der Gemeinde zu den Bürgern ist viel zu gering. Über die Internet-Seite und das Gemeinde-Blattl könnte der Bürgermeister viel mehr mitteilen und laufende Projekte besser erklären. Dass ein Großprojekt wie die Turnhalle im kleineren Kreis beschlossen wird, das würde ich als Bürgermeisterin nicht machen. Ich würde die Bürger befragen. Mit den Bürgern gemeinsam überlegen, wie soll Waging in Zukunft aussehen, wie wollen wir mit Energieeinsparung weitermachen. Das große Ziel wäre, energieautark zu werden und von den Stromkonzernen wegzukommen. Für die Senioren müssen wir uns neue Wohnkonzepte überlegen. Oft lebt jemand jahrelang allein in seinem großen Haus, das früher mal für die große Familie gebraucht wurde. Nur Bauland ausweisen und Einfamilienhäuser bauen, damit ist es nicht getan. Wir brauchen bezahlbare Wohnungen für die jungen Leute. Da können wir sicherlich vernünftige Lösungen finden, die für alle Beteiligten nur Vorteile brächten. Wir haben in Waging noch einen intakten Ortskern, Handel und Gewerbe mit vielen Fachgeschäften. Das ist neben einem sauberen See die Grundlage von Waging. Beides gilt es zu unterstützen, damit sie für die Waginger selbst, aber auch für den Tourismus erhalten bleiben. Wir wollen keine Halleneinkaufszentren mit immer den gleichen Geschäften und demselben Angebot, wie sie mittlerweile an vielen Ortsrändern zu sehen sind.

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Datum: Donnerstag, 20. Februar 2014 21:41
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