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Eugen Drewermann: Wir müssen aufhören, uns mit Angst regieren zu lassen

Die Deutschen sollten nicht länger zulassen, dass die Amerikaner von der Airbase Ramstein aus Drohnenmorde in der ganzen Welt ausführen können. Die Deutschen sollten nicht hinnehmen, dass Bundeskanzlerin Merkel und Verteidigungsministerin von der Leyen zukünftig 70 Milliarden Euro für Rüstung ausgeben und so das Elend in der Welt immer weiter vermehren. Die deutsche Bevölkerung sollte endlich aufwachen – Schluss mit Kriegsvorbereitung und Rüstung, lautet die Botschaft einer flammenden Rede, die der Theologe und Schriftsteller Eugen Drewermann in der Versöhnungskirche in Kaiserslautern gehalten hat.

Hier einige Zitate aus der Rede Drewermann:

„Die US-Airbase Ramstein gehört nicht auf deutschen Boden! Und wir sind nicht länger verpflichtet, für unsere transatlantischen Freunde eine Zentrale des internationalen Mordens außerhalb von Gerichtsurteilen – illegal und in der Regel im Geheimen – weiter zu unterhalten. …

Seit Monaten erleben wir, wie 20 Millionen Afrikaner auf der Flucht vor Hunger und Elend darum betteln, von der UNO die nötigen etwa vier Milliarden Dollar zu bekommen, damit sie wenigstens überleben. Es ist nicht möglich, der UNO vier Milliarden Dollar zum Überleben von 20 Millionen Menschen zu geben, – aber ist ist möglich, Herrn Stoltenberg, dem Chef der NATO, zuzustimmen,  die europäischen NATO Mitglieder müssen ihre Militärausgaben gefälligst auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöhen. Für diesen Schwindel scheint jedes Geld auf Erden richtig und gut angewandt. Es ist es aber nicht.

Es sind allein die Rüstungsausgaben ein laterales Hinmorden der Bedürftigsten. Und wir in Deutschland bereiten uns darauf vor, dass wir von 35 Milliarden Euro für Rüstung rasch anwachsen sollen auf über 70 Milliarden. Dies ist eine sinnlose Verschwendung.“

Die Amerikaner unterhalten etwa 600 Militärstützpunkte weltweit, Russland einen einzigen in Syrien. Wer hat da Grund sich vor wem zu fürchten?

Weiter sagt Drewermann:

„Ich höre sagen: die NATO sorgt sich vor Russland. Russland gibt ungefähr 80 Milliarden Dollar aus für Rüstung pro Jahr. Das ist alle Mal zu viel, aber es ist nicht ein Zehntel von dem, was die USA plus den 300 Milliarden der NATO Staaten ausgeben im Westen, es beläuft sich auf mehr als 900 Milliarden im Westen, allein für die westlichen Machtansprüche auf diesem Globus. Und wir sollten außerstande sein uns dagegen zu wehren? Und wir hätten eine Bevölkerung, die das alles aussitzen und ausschlafen will, bloß weil wir eine Kanzlerin haben, die die Diskussion vermeidet und die die letzte Gelegenheit im Parlament darüber zu reden, unterbindet?

Die Amerikaner unterhalten etwa 600 Militärstützpunkte weltweit, Russland einen einzigen in Syrien. Wer hat da Grund sich vor wem zu fürchten? 1989 war dies das ehrliche Angebot von Michael Gorbatschow, man könnte Europa nach dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes und bei Auflösung der NATO entmilitarisierten vom Ural bis zum Atlantik. Stellen Sie sich vor, wir hätten die letzten 25 Jahre die enormen Anstrengungen nur für Rüstung konvertieren können für die wirkliche Lösung der Probleme der Welt: Hunger, Elend, Naturzerstörung, Analphabetismus, Seuchen, Krankheiten. Die UNO benötigt mindestens 4 Milliarden Dollar für unmittelbare Katastropheneinsätze. Nicht einmal  dieser Posten steht zur Verfügung. Stattdessen wird die Bevölkerung bei Katastrophen gebeten, in den nächsten sechs Wochen persönlich zu helfen, etwa für die Katastrophe in Mexiko, in Haiti oder sonst wo. Menschen in einem Erdbebengebiet brauchen Hilfe und zwar unmittelbar und nicht in sechs Wochen, denn dann sind sie tot.  Aber nicht einmal das ist möglich.“

Jawohl Frau Merkel und Frau von der Leyen, wir hätten internationale Verantwortung im Kampf gegen Hunger und Elend – aber nicht mit Bomben und Granaten

„Wir hören, dass wir einen internationalen Anti-Terror-Krieg führen müssen. Schon Mandela sagte, auf jeden getöteten Terroristen kommen zehn nach. Vergleichen Sie die Taten: Wenn der IS 10.000 Menschen getötet hat, ist das eine furchtbare Zahl, aber die Amerikaner haben im Nahen Osten über zwei Millionen Tote zu verantworten. Allein in den Proportionen stimmt der Satz: Terror ist der Krieg der Schwachen, Krieg aber ist der Terror der Starken und den müssen wir unterbinden. 

Statt auf Gorbatschow zu hören, hatte Bush der Ältere nötig, ab 1991 den Plan der Ostausdehnung der NATO und den Anspruch der USA Hegemonialmacht global zu sein. Seitdem haben wir einen Krieg nach dem anderen: 1991 der Irak, 1992 Somalia, 1995 Belgrad, 2001 Afghanistan, 2003 wieder der Irak, dann Libyen, Syrien, Mali. Und wir Deutschen immer irgendwie mit dabei, scheibchenweise, angenähert der Realität des Krieges. Unter dem Stichwort „Wir müssen uns kümmern um Afrika. Wir haben internationale Verantwortung.“ Jawohl Frau Merkel und Frau von der Leyen, wir hätten internationale Verantwortung im Kampf gegen Hunger und Elend, aber nicht mit Bomben und Granaten. 

Man lügt uns in einen Krieg nach dem anderen hinein und nennt dabei das Töten von Menschen „humanitäre Einsätze“. Wir verteidigen mit keinem Krieg irgend einen humanitären Wert. Krieg ist die Widerlegung aller Werte und er zerstört sich selber in seinem moralischen Anspruch durch Mittel, die in keinem zivilen Zusammenhang genehmigungsfähig wären. …

Krieg löst kein Problem, sondern vermehrt nur noch mehr alle bestehenden. Statt Krieg zu führen, müssten wir miteinander reden. 

Uns, den Deutschen, hat man beigebracht, dass wir uns wieder bewaffnen müssen, damit wir alles das Furchtbare lernen, zur Aufrechterhaltung der „Balance of Power“, der wechselseitigen Bedrohung, damit wir nie tun müssten, was Soldaten zu tun pflegen: Wir vermeiden das Töten von Menschen,  indem wir mit dem Töten von Menschen derart furchtbar drohen, dass uns niemand angreift. Diese Moral war die Einleitung der bundesdeutschen Lüge zur „Bundeswehr West“. …

Drewermann beendet seine Rede mit dem Satz: „Glücklich wage ich die Menschen zu nennen, die es unternehmen, inmitten dieser Welt wehrlos zu bleiben, denn nur die haben das Zeug, den Frieden zu bereiten. Nachzulesen in Matthäus fünf und gültig für alle Zeit.“

Die ganze Rede können Sie hier sehen und hören:

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Datum: Mittwoch, 20. September 2017 16:46
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